Stoke-on-Trent. In der Geschichte des englischen Fußballs gibt es wenige Torhüter von Weltformat - und noch weniger, die sich Weltmeister nennen durften. Gordon Banks war beides: 1966 gewann er mit den Three Lions den Pokal im eigenen Land - es sollte bis heute der einzige WM-Titel des selbsternannten Mutterlandes des Fußballs bleiben -, vier Jahre darauf schrieb er mit seiner Heldentat gegen Pelé abermals Geschichte. Der brasilianische Fußballer sollte die Abwehr seines scharfen und präzisen Kopfballs ins untere Eck einst als "beste Parade, die ich je gesehen habe" bezeichnet haben.

  In der Nacht auf Dienstag ist Banks im Alter von 81 Jahren verstorben, wie sein ehemaliger Klub Stoke City im Namen der Familie bekannt gab. "Wir sind am Boden zerstört, aber glücklich über die Erinnerungen und könnten nicht stolzer auf ihn sein", heißt es darin.

Zu Stoke kam Banks ausgerechnet nach seinem Triumph im Wembley-Stadion 1966 (4:2 nach Verlängerung gegen Deutschland). Obwohl er von Presse und Experten als bester Torhüter der Gegenwart bezeichnet wurde, lief ihm der junge Peter Shilton bei seinem bisherigen Verein Leicester City den Rang ab. Shilton sollte später mit 125 Länderspielen Englands Rekord-Teamspieler werden - die Erinnerungen an "Banks of England", wie der Weltmeister genannt wurde, haben sich aber mindestens ebenso unauslöschlich ins kollektive Gedächtnis der fußballbegeisterten Engländer gebrannt. Und sie boten reichlich Anlass zur Mythenbildung: Trotz der Niederlage gegen Brasilien bei der WM 1970, die auch Banks’ Glanzparade gegen Pelé nicht verhindern konnte, zogen die Briten ins Viertelfinale ein, wo es zum Wiedersehen mit Deutschland kommen sollte. In der Nacht vor dem Match überkam den Torhüter eine unerklärliche Übelkeit; aus Sicherheitsgründen wurde er nicht eingesetzt. England verlor mit 2:3 nach Verlängerung, Verschwörungstheorien machten die Runde. Banks selbst hat diese freilich stets ins Reich der Phantasie verbannt.

Er sei "ein absoluter Held" gewesen, schrieb Gary Lineker nach der Todesnachricht auf Twitter. "Einer der großartigsten Torhüter aller Zeiten und so eine liebenswürdige Persönlichkeit."