Wien. (may) Inter Mailand und Club Brügge. Solche Gegner bekommen heimische Bundesliga-Klubs abseits des Meisterschaftsbetriebes normalerweise nur in der Sommervorbereitung vorgesetzt. Doch von Freundschafts- oder Testspiel kann heute, Donnerstag, wahrlich keine Rede sein, geht es für die beiden österreichischen Europacupvertreter Rapid und Salzburg um nichts Geringeres als um den Einzug ins Europa-League-Achtelfinale. Ob die Hütteldorfer den italienischen Topklub fordern können (18.55 Uhr/Dazn) beziehungsweise die Red-Bull-Truppe programmgemäß die belgische Hürde nehmen kann (21Uhr/Puls4) entscheidet sich übrigens noch bevor überhaupt die erste Frühjahrsrunde in der Tipico-Bundesliga angepfiffen ist - denn die Rückspiele steigen schon kommenden Donnerstag, einen Tag, bevor der Lask und die Austria die 19. Bundesliga-Runde eröffnen.

Ob dieser Kaltstart in den Europacup für die beiden Vereine ein Nachteil ist, darüber kann man geteilter Meinung sein - schließlich wird in der Serie A seit 19. Jänner wieder regelmäßig gekickt, in der belgischen Pro League wurde das Frühjahr sogar einen Tag früher angepfiffen. Allerdings können sowohl Rapid als auch Salzburg von sich behaupten, zumindest dadurch keinen Fehlstart hingelegt zu haben wie ihre Gegner.

Denkbar schlecht sind etwa die Nerazzurri, 2010 noch Champions-League-Sieger, ins neue Jahr gestartet: Nach einer Nullnummer gegen Nachzügler Sassuolo setzte es gegen Torino und Bologna zwei peinliche Schlappen; erst am Samstag gelang in Parma beim 1:0-Erfolg ein kleiner Befreiungsschlag. Auch, wenn die mittlerweile chinesischen Eigentümer vom Glanz vergangener Tage träumen, mehr als Rang drei hinter Juventus und Napoli scheint aktuell nicht realistisch. Genau dort steht Inter derzeit auch: Nach 23Runden hält man bei 43 Punkten, mit Respektabstand zu Serienmeister Juve (63) und dem SSC Napoli (52). Dahinter lauern mit AC Milan (39), Atalanta Bergamo, AS Roma und Lazio Rom (alle 38) viele Teams. Deshalb liegt der Fokus der Nerazzurri auch auf der Absicherung des Tabellenplatzes mit Hinblick auf die Champions-League-Qualifikation und nicht auf der Europa League und Rapid. Doch nicht nur daran liegt es, dass Trainer Luciano Spalletti seinen Starstürmer Mauro Icardi im Allianz-Stadion nicht aufbieten wird. Der 25-Jährige, achtfacher Teamspieler Argentiniens, wird aktuell auf 100 Millionen Euro taxiert. Wegen diverser Zwistigkeiten dürfte er seinen Vertrag bei den Mailändern aber nicht bis 2021 erfüllen.

Icardi nicht dabei

Die Turbulenzen um den Starstürmer, den Rapid-Verteidiger Mario Sonnleitner davor noch als "vielleicht besten Stürmer in Europa" bezeichnet hatte, eskalierten ausgerechnet vor dem Gastspiel in Wien. Nachdem am Nachmittag bekannt geworden war, dass er als Kapitän abgesetzt worden war, machte er die Reise - laut Spalletti von sich aus - gleich gar nicht mit. Es seien Dinge vorgefallen, die ungelöst und nicht gut für die Atmosphäre seien, sagte der Coach nach der Ankunft, ohne Details zu nennen. Statt Icardi wird an vorderster Front Lautaro Martinez beginnen. Der 21-jährige Argentinier war zuletzt beim 1:0-Erfolg bei Parma Goldtorschütze. "Für uns ändert sich nichts Großartiges. Wir werden einen gleich starken Ersatz aufbieten können", betonte Inters Trainer. So oder so fiebert Sonnleitner dem  Duell mit dem 18-fachen italienischen Meister naturgemäß entgegen. "Inter Mailand ist wirklich ein Traditionsklub, der schon viel erreicht hat. Gegen solche Gegner zu spielen, ist, egal in welcher Form sie sind, eine super Sache. Es wird für alle Spieler ein Highlight."