Gelsenkirchen. (art) Als Schalke 04 die Saison vor nicht einmal einem Jahr als Zweiter abschloss, schienen Christian Heidel und Domenico Tedesco alles richtig gemacht zu haben. Heidel war zwei Jahre davor als Sportvorstand gekommen, hatte das (selbst inszenierte und teure) Missverständnis mit Markus Weinzierl nach einer Saison wieder beendet und zu Beginn des neuen Spieljahres in Tedesco einen jungen Trainer geholt, der zwar noch keine allzu langen Empfehlungsschreiben mitbringen konnte, aber das Vertrauen Heidels hatte. Das Risiko sollte sich bezahlt machen. Schalke schloss die Saison nicht nur als Vizemeister und damit in der Bundesliga so gut wie seit 2010 unter Felix Magath nicht mehr ab, sondern kam auch ins Halbfinale des DFB-Cups und in die Champions League. Jenseits von München war Königsblau die Modefarbe des Sommers, der erst 32-jährige Domenico Tedesco, der als Spieler selbst im Profibereich keine Karriere und als Chefcoach lediglich eine beim Zweitligisten Erzgebirge Aue vorzuweisen hatte, neben Julian Nagelsmann der neue Star am deutschen Trainerhimmel.

Doch mit den mageren Ergebnissen der bisherigen Saison, dem vor zwei Wochen verkündeten Wechsel auf der Position des Sportvorstandes - Heidel ging, Jochen Schneider von RB Leipzig kam - sowie der Aussicht auf einen Umbau der sportlichen Führung dürfte es auch für Tedesco, vor kurzem noch die Lichtgestalt, düster werden; ganz unabhängig vom Ausgang des Achtelfinal-Rückspiels in der Champions League heute Abend.

Bundesliga hat Priorität

Dass nach der 2:3-Heimniederlage gegen Manchester City ohnehin niemand mehr damit rechnet, dass die Gelsenkirchener in der Fremde gegen den englischen Tabellenführer weiterkommen, könnte sich zwar durchaus als Chance erweisen. Allerdings erklärte Jochen Schneider, der Tedesco bei seinem Amtsantritt noch eine (nicht näher definierte) Galgenfrist einräumte, davor die Bundesliga zur Priorität. In dieser liegt Schalke vor dem Samstagsmatch gegen RB Leipzig nach 25 Runden auf dem 14. Platz - und damit weit näher an einem Relegations- als an einem Europacup-Platz. Der Begriff "Abstiegskampf" ist kein Fremdwort mehr bei dem Traditionsverein.

Noch bemühen Schneider und Tedesco Durchhalteparolen. Der Sportvorstand sprach nach dem jüngsten 2:4 gegen Bremen davon, dass er eine "Trendwende bei der Leistung" gesehen habe und "die Art und Weise der Niederlage Kraft und Zuversicht" gegeben habe; Tedesco wiederum rechnete vor, wenn man "die ersten 45 Minuten gegen Bremen mutipliziert, werden wir Spiele gewinnen". Das täuscht jedoch kaum darüber hinweg, dass die Ereignisse der vergangenen Wochen auch für ihn einen schalen Beigeschmack hinterlassen haben.