Salzburg/Neapel. (rel) Es ist dies ein schlichtes und gleichsam starkes Monogramm, das das Wappen der Società Sportiva Calcio Napoli nun schon seit fast hundert Jahren ziert. Ein einziger Buchstabe, dem persönlichen Emblem Napoleons nicht unähnlich - und dennoch besitzt dieses alleinstehende N so viel Aussagekraft wie kaum ein anderes Wappen im Klubfußball. Das hat zum einen freilich mit der langen Tradition der SSC Napoli zu tun, aber auch mit den großen Leistungen, die dieser Verein seit seiner Gründung 1904 auf dem Rasen zustande gebracht hat.

Noch heute schwärmen die Anhänger der Azzuri von der goldenen Zeit Neapels, als man in den 1980er Jahren dank der Verpflichtung des damaligen Napoleon unter den Fußballstars, Diego Maradona, einen Erfolg nach dem anderen feierte. 13,5 Milliarden Lire, also rund 7,5 Millionen US-Dollar, hatte die SSC 1984 an den FC Barcelona überwiesen - und der damals teuerste Transfer in der Fußballgeschichte sollte sich auszahlen: Zwei Meistertitel (1987, 1990) sowie der Gewinn des nationalen Pokals (1987), des Uefa-Cups (1989) und des Supercups (1990) sprechen eine deutliche Sprache. Die Angriffslinie des Stürmertrios Maradona-Giordano-Careca, auch genannt "Ma-Gi-Ca", ist den Napoli-Fans jedenfalls noch ein Begriff. Kein Wunder, dass Maradona bis heute von diesen wie ein Gott verehrt und auch die Rückennummer 10 seit seinem Ausscheiden 1991 nicht mehr vergeben wird. Dass der Argentinier des Dopings überführt und in der Folge für 15 Monate gesperrt wurde, kratzt in Neapel niemanden mehr.

Das Stadio San Paolo blieb und bleibt voll. Mehr als 60.000 Plätze fasst die Arena in Neapels Stadtteil Fuorigrotta, in dem die Azzuri am Donnerstag Achtelfinalgegner Red Bull Salzburg (21 Uhr/Puls 4) willkommen heißen werden. Und das unterstützt mit der geballten Kraft der beiden großen Fan-Lager: den Ultras in der Curva A sowie den etwas pazifistischeren Fans der Curva B. Die österreichischen Anhänger dazwischen werden es schwer haben, sich Gehör zu verschaffen, zumindest dürfen sie sich, nachdem die neapolitanischen Tifosi als recht gesittet gelten, hier doch sicher fühlen.

"Napoli ist Passion pur"

Weniger sicher fühlen dürfen sich am Donnerstag freilich die heimischen Kicker auf dem Platz. Und das trotz der durchwegs positiven Italien-Bilanz der Salzburger, die aus sechs Spielen immerhin drei Siege und zwei Remis davongetragen haben. Die einzige Niederlage gab es in der Vorsaison mit einem 2:4 auswärts bei Lazio Rom, dennoch stieg Salzburg dank eines 4:1-Heimerfolgs noch ins Halbfinale der Europa League auf. Betrachtet man aber alle rot-weiß-roten Teams, gab es für diese in 81 Spielen nur 15 Siege und 18 Unentschieden, in 43 K.o.-Duellen setzten sich die österreichischen Klubs nur zehnmal durch. Erst im Februar war Rapid im Sechzehntelfinale der Europa League mit zwei Niederlagen (0:1, 0:4) an Inter Mailand gescheitert.

Für Salzburg bedeutet das Duell mit Napoli, das mit einem Jahresumsatz von 200 Millionen Euro zu den europäischen Big Playern zählt, viel Arbeit. Dafür werden allein schon Stars wie Dries Mertens und Lorenzo Insigne sowie Ex-Bayern-Coach Carlo Ancelotti zu sorgen wissen. Dass es schwer werden wird, glaubt auch der heimische Veteran György Garics, der zwischen 2006 und 2008 in Neapel gespielt hat. "Napoli ist Passion pur, das muss man erleben, das ist unglaublich. In Neapel sind wahrscheinlich sogar die Bäume blau-weiß gestrichen", erklärte er kürzlich in einem Interview. Und natürlich wird wohl auch das bekannte Monogramm nicht fehlen.