Wien. (apa/dpa) Mit seiner Wutrede bei Bayern München ist Giovanni Trapattoni zur Kultfigur geworden. Seine Ausdrücke "Flasche leer", "Ich habe fertig" und "Was erlauben Strunz?" sind den deutschsprachigen Fußball-Fans heute noch in bester Erinnerung. Am Sonntag feiert die Trainerlegende, die Salzburg 2007 zum Meistertitel in Österreich führte, ihren 80. Geburtstag.

Trapattoni ist einer der populärsten und zugleich erfolgreichsten Trainer der Welt und längst ein lebendiges Stück italienischer Fußballgeschichte. 21 nationale und internationale Titel holte "Trap", nachdem er bereits als Spieler sieben Triumphe gefeiert hatte. Juventus Turin führte er zu sechs italienischen Meisterschaften (1977, 1978, 1981, 1982, 1984, 1985), danach schlug er auch mit Inter Mailand (1989), Bayern München (1997), Benfica Lissabon (2005) und Salzburg zu. Im Herbst seiner Trainerlaufbahn betreute er von 2008 bis 2013 die irische Nationalmannschaft, die er 2012 zur EM in Polen und der Ukraine führte.

Dass er auf der Insel mit einer rauen Mischung aus Italienisch, Deutsch und Englisch kommunizierte, überraschte im deutschen Sprachraum niemanden mehr. Dort erlangte er spätestens mit seiner Wutrede im März 1998, in der er die Berufsauffassung einiger Bayern-Kicker geißelte, höchste Popularität. "Ehrlich gesagt, hätte ich mir nie vorstellen können, dass so eine Pressekonferenz auch noch nach 20 Jahren so populär ist", erklärte Trapattoni nun der dpa. "Eine Erklärung könnte der tragikomische und unerwartete Aspekt der Pressekonferenz sein. Niemand hat jemals eine solche Reaktion eines Trainers der Bayern erwartet."

Kommunikationsprobleme

Seine Worte, Gesten, Grimassen als Trainer erheiterten zwar die Beobachter, allerdings nicht immer die Spieler, die sich oft nicht auskannten, was der "Maestro" im Sinn hatte. Wenn Trapattoni "verständlich" sprechen wollte, dann sagte er es auf Italienisch und durch einen Dolmetscher - in seiner Salzburger Zeit ein stets adrett gekleideter Herr namens Gianni Giulietti. "Das größte Hindernis war sicher die Sprache", betonte Trapattoni nun im Hinblick auf seine Zeit bei den Bayern. "Ein wahrlich knallharter Gegner, den ich unterschätzt hatte. Ohne die richtigen Ausdrücke habe ich es nicht geschafft, so wie ich wollte, mit der Mannschaft zu kommunizieren. Und das hat viele Probleme mit sich gebracht."

Spaß auf Instagram

Diese Probleme wurden auch in Österreich offensichtlich. "Ich verstehe Kritik über Ergebnis. Ich kann nicht akzeptieren die Kritiken über Profi, unsere Arbeit", so leitete Trapattoni nach der ÖFB-Cup-Halbfinal-Niederlage gegen Mattersburg 2008 einen gut zehnminütigen, teilweise unverständlichen Monolog an die Pressevertreter ein. Deren Kritik an der Trainingsarbeit hielt er für verfehlt: "Unser Training ist stark, ist modern. Was verstehen Sie von Training?" Von Trapattonis Salzburger Zeit bleibt aber nicht nur jenes skurrile Bild- und Tondokument, sondern auch der erste Meistertitel der Red-Bull-Ära 2007. Schon ein Jahr später verließ der Verfechter eines defensiven Spielstils aber nach zwei Saisonen die Salzburger Richtung Irland.

Seine Gedanken seien stets um Fußball gekreist, meinte Trapattoni. "Ich war immer unterwegs, und auch wenn ich zuhause war, habe ich immer an Fußball gedacht. Jetzt versuche ich dagegen, diese Zeit zurückzugewinnen", erklärte Trapattoni, der mit Hilfe seines Enkels einen Instagram-Account betreibt. "Es macht mir Spaß, mit meinem Enkel Sachen zu posten", betonte er. Zukunftsprojekte könne er mit 80 freilich nicht mehr viele machen. "Sagen wir es so, ich fühle mich, als hätte ich die 90 Minuten meines Spiels beendet. Von jetzt an beginnt das Golden Goal."