Miami. In den Stunden davor ging es noch einmal heiß her in Miami, wo der Council des Fußballweltverbandes Fifa tagt. Auf dem Programm der Sitzung am Freitag sollte der (informelle) Beschluss der Aufstockung des WM-Teilnehmerfeldes schon für Katar 2022 ebenso stehen wie die Rundumerneuerung der Fifa-Klub-WM - und damit nicht weniger als zwei der umstrittensten Projekte des Fifa-Chefs Gianni Infantino. Doch schon davor war klar: Beides wird kommen, früher oder später.

Für die WM 2026, die angesichts der Unmöglichkeit, ein solches Mammutturnier in einem einzigen Land zu stemmen, an die USA, Kanada und Mexiko vergeben worden war, steht ein Feld von 48 Teams schon länger fest. Eine Reform der Klub-WM, die bisher gegen Jahresende mit sieben Vereinen ausgespielt wurde, laut Infantinos Wünschen aber schon 2021 mit 24 Klubs stattfinden soll, stand ebenfalls schon lange im Raum. Trotz heftigen Widerstands aus Europa setzte sich Infantino in dieser Causa letztlich durch - unter welchen Konditionen die europäischen Topklubs aber dabei sein werden, muss erst verhandelt werden.

Bedenken aus Europa

Die European Club Association ECA hatte noch in der Nacht vor dem Treffen ein Schreiben lanciert, in dem damit gedroht wurde, dass "kein europäischer Topklub" an einer vergrößerten Klub-WM teilnehmen werde. Die ECA fürchtet ebenso wie der Europaverband Uefa einerseits eine höhere Belastung aufgrund des ohnehin schon dichten Terminkalenders, andererseits eine Abwertung der Champions League durch einen zusätzlichen hochklassigen Klub-Bewerb.

Bedenken hatte es auch hinsichtlich der Aufstockung der WM 2022 auf 48 Teams gegeben, hierzu fasste der Council am Freitag keinen eindeutigen Beschluss. Bis zum Kongress im Juni prüfe man alle Möglichkeiten, sagte Infantino am Freitag. "Wenn es machbar ist - großartig. Wenn es nicht machbar ist - auch großartig." Die Fifa hatte zuletzt mehrfach auf eine positive sportliche Machbarkeitsstudie verwiesen, die Probleme könnten aber woanders liegen. "Wenn aufgestockt wird, ist es klar, dass einige Spiele in dem einen oder anderen Nachbarland stattfinden werden", sagte der Fifa-Chef - wohlwissend, dass es dazu noch einiger Sportdiplomatie bedürfen wird. Schließlich herrscht eine diplomatische Krise zwischen Katar und seinen Nachbarländern. "Die ersten Reaktionen auf diese Idee waren aber positiv, offen und konstruktiv", betonte Infantino.

Ungeachtet der Probleme wird er nun seinen Kurs und das Werben um eine frühzeitige Aufstockung fortsetzen. Das überrascht schon lange nicht mehr. Als er im Februar 2016 - mit Unterstützung der europäischen Verbände, die ihn davor als loyalen Generalsekretär der Uefa kannten und schätzten - die Nachfolge des von Korruptionsvorwürfen umwehten Joseph Blatter angetreten war, gerierte er sich als Erneuerer, als Kämpfer für Transparenz und Glaubwürdigkeit. In Wahrheit aber führte er das Werk Blatters, das dieser wiederum von João Havelange geerbt hatte, und den Weg der Gewinnmaximierung konsequent fort. Dabei hatte er sich, um sich die Wahl zu sichern, früh selbst unter Druck gesetzt: als er versprach, die Zahlungen an die Mitgliedsverbände deutlich zu erhöhen. Aktuell erhält jeder der 211 Verbände pro Vierjahreszyklus fünf Millionen US-Dollar.

Zuckerl für die Wiederwahl

Wenngleich die Einnahmequellen nach wie vor sprudeln, die Fifa binnen vier Jahren zuletzt Umsätze von 5,66 Milliarden Dollar erwirtschaftete, haben die juristischen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre seit dem Auffliegen des Korruptionsskandals im Jahr 2015 neben Reputation auch Geld gekostet. Infantino versucht dieses nun anderweitig hereinzubekommen. Eine aufgestockte WM-Endrunde, ein neues Turnier: All das erhöht freilich die Chancen, noch mehr Geld aus dem Verkauf der TV-Rechte zu quetschen, das man dann wieder großzügig verteilen kann. Mit den jetzt noch wenig begeisterten Europäern wird es einen Kompromiss geben - die anderen werden es Infantino mit ihrer Stimme danken.