Teheran. (rel) Im iranischen Fußball brodelt es seit einigen Tagen gehörig. Während es sportlich zuletzt ganz gut lief und das Nationalteam beim Asien-Cup in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Jänner das Halbfinale erreichte, geht im Verband drunter und drüber. Es mangelt dringend an Geldmitteln, auch wird seit Monaten ein neuer Teamchef gesucht. Hinzu mischen sich heftige Proteststimmen.

Den Auftakt zum Drama lieferte die iranische Fußball-Legende Ali Daei. Er hat Anfang März mit dem Statement für Aufsehen gesorgt, wonach er sich während eines Inlandsfluges bewusst nicht neben Irans Ex-Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad gesetzt habe. "Ich hatte einfach keine Lust, ihn zu treffen, nicht mal zu begrüßen (...) geschweige denn mit ihm zu plaudern", sagte der 49-Jährige. Um dem streng-islamischen Politiker nicht zu begegnen, wechselte Daei sogar aus der Business- in die Economy-Klasse und löste mit der Aktion Erstaunen aus. Immerhin ist Daei aber nicht irgendein Fußballer, sondern mit 149 Einsätzen iranischer Rekordinternationaler und mit 109 Treffern bisher der einzige Fußballprofi mit mehr als 100 Länderspieltoren weltweit.

Da haben es andere kritische Geister im persischen Fußballbusiness viel schwerer. So wie zum Beispiel der mittlerweile absetzte TV-Journalist Adel Ferdosipour. Die Entfernung des beliebten Fußballkommentators aus der Redaktion des Staatssenders Irib hat sich zuletzt zu einem seltenen Politikum ausgewachsen. Verantwortlich für die Maßnahme wird der neue Chef von Kanal 3, auf dem Ferdosipur zuletzt die Fußballsendung "90" moderierte, gemacht. Die als politisch motivierte Entscheidung des als Hardliner eingestuften Intendanten Ali Foroughi führte zu einer landesweiten Protestwelle in Sozialen Medien. Auch die reformorientierte Regierung von Irans Präsident Hassan Rouhani kritisierte die Entscheidung. "Der finale Verlierer ist der Staatssender Irib", sagte etwa Rouhanis Medienberater Hesamodin Ashna am Dienstag auf Twitter. In den sozialen Netzwerken gab es einen Shitstorm gegen den Intendanten und Fan-Seiten für Ferdosipour. Der erst 30-jährige Foroughi soll demnach nur wegen seiner Beziehungen zu den Hardlinern ernannt worden sein.

"90" läuft schon seit 20 Jahren im Kanal 3 und gilt immer noch als beliebteste Sendung. Dementsprechend populär ist auch der Moderator, der sich in seiner Sendung nicht nur mit dem Fußball selbst, sondern auch mit sportpolitischen Entwicklungen beschäftigt. Seine auch islamkritischen Fragen zu Themen wie etwa Tattoos der Spieler oder Stadionverbot für Frauen passten dem neuen Kanal-3-Intendanten nicht. Der will keine islamkritischen Töne hören und Ferdosipour weghaben. Als demonstrativen Protest gegen Foroughi wurden Ferdosipour und die Sendung "90" unlängst mit dem Zuschauerpreis geehrt.

Mit einem großen Problem der anderen Art zu kämpfen hat indessen Irans Fußballverband FFI. Wie das Sportministerium in Teheran am Sonntag bekanntgab, hat die Islamische Republik wegen der Finanzkrise im Land kein Geld für einen Trainer. Nach dem (aufgrund der finanziellen Situation erzwungenen) Rücktritt von WM-Erfolgstrainer Carlos Queiroz im Jänner hat der Iran noch keinen neuen Teamchef verpflichtet. "Von uns kriegt der FFI nur einen Teil des normalen Jahresbudgets. (...) Ein Extra für den Nationalcoach ist nicht drin", sagte Vizeminister Mohammed-Reza Davarsani. Der FFI braucht aber finanzielle Unterstützung, um einen renommierten Trainer für das Nationalteam zu verpflichten.

"Klinsmann? Das ist ein Witz"

Als mögliche Nachfolger brachte das Sportministerium prominente Namen wie Jürgen Klinsmann, Zinédine Zidane (mittlerweile bei Real Madrid), José Mourinho, Vincenzo Montella und Laurent Blanc ins Gespräch. Laut FFI-Präsident Mehid Tadsch hat der Verband jedoch kein Geld für solche Hochkaräter. "Solche Namen überhaupt zu erwähnen, ist eher ein Witz", erklärte er. Bliebe dann vielleicht noch Ali Daei. Dass er aber zum Zug kommt, ist wohl eher auszuschließen.