Moskau/Wien. Es sei eine große Ehre, eine solch hohe Auszeichnung entgegenzunehmen, sagte Gianni Infantino, Chef des Weltfußballverbandes Fifa, Ende Februar in Moskau. Er hatte sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einer gemeinsamen WM-Nachbesprechung getroffen. Putin überreichte dem Fifa-Präsidenten dabei den Freundschaftsorden der Russischen Föderation. Der neue Freund wusste sich darauf zu bedanken und bezeichnete die WM in Russland erneut als bestes Turnier aller Zeiten, was auch mit den Rekordeinnahmen der Fifa in der Höhe von sechs Milliarden Euro zu tun haben könnte. Aber Infantino sagte auch: "Die WM hat Russland verändert, aber vor allem den Blick der restlichen Welt auf Russland."

Das größte Land der Erde nutzte die WM als Chance, sich im Lichte der Weltöffentlichkeit bestmöglich zu präsentieren - wie jedes Gastgeberland bei derartigen Events. Im Fall von Russland war aufgrund der jüngeren politischen Geschehnisse (Krim-Annexion, Russlands Rolle in Syrien) aber genau hingesehen worden. Angesichts des unterkühlten Verhältnisses mit Europa und den USA wurde dem Turnier von mancher Seite sogar das Potenzial zugeschrieben, für eine Annäherung zwischen dem Westen und Russland sorgen zu können. In seinem WM-Fazit sagte Putin: "Wir sind froh, dass unsere Gäste alles mit eigenen Augen gesehen haben, dass ihre Mythen und Vorurteile zerbrochen sind." Doch ganz so eindeutig ist das Vermächtnis der WM nicht.

Sportliche Infrastrukturoffensive

- © afp/Vasili Maximow
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Sportlich betrachtet überraschte Russland mit dem Vorstoß bis ins Viertelfinale. Im Vorfeld der WM hatte es nicht nur Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit der Mannschaft gegeben, sondern auch daran, ob Russland ein guter Gastgeber sein kann. "Die negative Berichterstattung zuvor war so heftig, dass wir gezweifelt haben, ob wir das schaffen können", sagt der Moskauer Fanaktivist Robert Ustian, der die Initiative "ZSKA-Fans gegen Rassismus" gegründet hat. "Russland hat aber erkannt, dass es ein gastfreundliches, positives Land sein kann."

- © AFP
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Die WM-Ausrichtung wurde zur obersten Staatspriorität. Nach offiziellen Angaben wurden umgerechnet neun Milliarden Euro für den Bau von Stadien und die Sanierung der Infrastruktur ausgegeben. Das Turnier war damit das teuerste in der Geschichte des Fußballs. Als besonderes Zuckerl hatte der Staat dafür gesorgt, dass Fans und Journalisten gratis mit den Zügen durchs Land reisen können. Der Zugverkehr wurde massiv ausgebaut und von den Fans stark nachgefragt. Auch in den Austragungsorten ist reichlich investiert worden. Die Hälfte der WM-Stadien wurde neu gebaut. Doch noch während das Turnier lief, sackte die neugebaute Promenade in Nischni Nowgorod nach starken Regenfällen um einige Meter ab. Erhebliche Baumängel wurden auch in Wolgograd, Kaliningrad und Samara festgestellt.