Sanfter
Zuschaueranstieg

Viele der modernen Stadien, die mehr als 40.000 Zuschauern Platz bieten, können nun von den Vereinen in der russischen Premjer Liga aber nicht gefüllt werden - am ehesten gelingt das noch in Moskau und Sankt Petersburg. Das allgemeine Zuschauerinteresse ist nach den Erfolgen der russischen Nationalmannschaft dennoch gestiegen. In der aktuellen Saison liegt der Schnitt bei rund 16.000 Fans pro Spiel, 2017/18 lag dieser noch bei knapp 14.000. In den Jahren zuvor gingen durchschnittlich 11.000 zu den Spielen der ersten Liga.

Um die großen Stadien besser nutzen zu können, sollten die weniger frequentierten Spielorte zu Eventstätten, etwa für Messen oder Konzerte, umfunktioniert werden. Nur in manchen Fällen gelang das. In Samara wurde dem Stadionbetreiber aufgrund der hohen Verschuldung zeitweise der Strom abgedreht. Das offizielle Fazit Russlands ist dessen ungeachtet positiv. 12,5 Milliarden Euro sollen durch die WM in den vergangenen fünf Jahren zum Bruttoinlandsprodukt hinzugekommen, mehr als 300.000 Arbeitsplätze durch das Turnier entstanden sein.

Moskauer
Ausnahmezustand

Als größten Erfolg verbuchten die Organisatoren aber, dass es im Sommer zu keinen Hooligan-Angriffen gekommen ist. Russland hatte im Vorfeld immense Sicherheitsvorkehrungen getroffen und unter Verdacht stehende Fans aus dem Verkehr gezogen. Vielen wurde nahegelegt, das Land zu verlassen oder sich für die Dauer des Turniers nicht blicken zu lassen. Die Überwachung sei seitdem nicht zurückgegangen, erzählt Ustian. "Die Behörden wollen eine totale Kontrolle. Das wirkt sich auch negativ auf die Zuschauerzahlen aus", sagt er. "Die Überwachung geht am Problem vorbei, alle Fans werden zu potenziellen Verbrechern gemacht." Die WM habe den Russen aber gezeigt, "dass der Fußball friedlich ist", wie der Aktivist meint. Seither kämen mehr Familien in die Stadien der russischen Liga. "Nach dem Turnier haben die Vereine erkannt, dass man diesen Weg gehen muss. Der Druck auf Ultras und organisierte Fanszenen ist jetzt auch von Seiten der Gesellschaft so hoch, dass sie sich keinen Fehltritt erlauben können", sagt Ustian.

In den Stadtzentren agierte die Polizei während der WM hingegen zurückhaltend. Fans konnten ausgelassen feiern, selbst als ein Anhänger in Moskau eine Straßenlaterne am Roten Platz erklomm und hoch oben seine Fahne schwenkte, zückten die umstehenden Polizisten lediglich ihre Handys, um die Szenen zu filmen. "Ich habe Moskau noch nie so erlebt wie während der WM", meint Ustian. Die WM sei wie ein Festival gewesen, nun allerdings wieder Normalität eingekehrt. "Der Lebensstandard ist in Moskau aber gestiegen. Die Verbesserungen der Infrastruktur und der öffentlichen Verkehrsmittel betreffen alle", sagt er.