Wien. (rel) Statistisch war das heimische Nationalteam vor seinem Auftaktmatch zur EM-Qualifikation am Donnerstagabend in Wien in der günstigeren Position gewesen. Während Polen unter Coach Jerzy Brzęczek, also seit Juli 2018, hat Rot-Weiß-Rot das vergangene Jahr zumindest mit einem Sieg in Nordirland abgeschlossen. In EM-Qualifikationsspielen hatte es am 2. September 2011 gegen Deutschland die letzte Niederlage gesetzt.

Vor heimischem Publikum wiederum war man ja überhaupt seit 2016 ohne Niederlage. Dass diese Serie in der Art weitergehen sollte, war auch der Wunsch der rund 40.000 Fans im Ernst-Happel-Stadion, darunter prominente Unterstützer wie Bundespräsident Alexander van der Bellen und Sportminister Heinz-Christian Strache. Und freilich der von Franco Foda. "In so großen Partien ist es wichtig, dass man mit Selbstvertrauen auftritt und an die eigenen Qualitäten glaubt", hatte der Teamchef vor der Partie gemeint. Allein, er sollte die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Österreich erreichte gegen Polen ein glückloses 0:1.

Kurz vor Spielbeginn hatte Foda mit einer Änderung in der Aufstellung überrascht, Marcel Sabitzer und Maximilian Wöber in die Startelf gestellt und ein (erst spät enthülltes) 3-4-3-System gewählt - mit Wöber als Linksverteidiger. In der Offensive wiederum sollten sich Valentino Lazaro, David Alaba, Marcel Sabitzer sowie Marko Arnautovic gegenseitig mit Vorlagen versorgen. Und das taten sie auch - zum Beispiel, als Alaba den Ball nach einem Wechselpass mit Florian Grillitsch auf Sabitzer zirkelte und der aus der Drehung sofort abdrückte. Da musste sich Wojciech Szczęsny im Kasten der Polen ordentlich strecken, um das Schlimmste zu verhindern (9. Minute). Oder man nehme einen unfassbar schönen Spielzug fünf Minuten später: Erst ein Ferserl-Pass von Alexsandar Dragovic auf Stefan Lainer, dann Querpass auf Arnautovic - nur der West-Ham-Legionär traf die Kugel nicht.

Das sollte sich fast rächen. Die Polen machten Druck, drangen in Minute 20 erstmals tief in den österreichischen 16er ein. Die Verteidiger brachten den Ball gleich drei Mal nicht richtig weg und als es Robert Lewandowski per Ferse probierte, war Alaba gerade noch rechtzeitig zur Stelle. Zur Stelle war dann auch Goalie Heinz Lindner, als er einen 20-Meter-Gewaltschuss von Kamil Grosicki aus dem rechten unteren Eck fischte (27.). Der Eindruck täuschte nicht: Die gelungenen Aktionen der Österreicher aus der Anfangsphase wurden mit Fortlauf des Spiels immer seltener, und der polnische Druck größer. Da kam der (pünktliche) Pausenpfiff gerade recht.

Marc Janko scheitert als Joker

Immerhin startete die erste Hälfte so wie die ersten 45 Minuten. Warum es nicht mit Standardsituationen versuchen? Keine üble Idee. Nachdem ein erster Freistoß samt nachfolgendem Eckball nichts eingebracht hat (49.), war es Sabitzer, der nach kurzem Zuspiel von Alaba, den Ball knapp übers polnische Tor jagte (55.). Zwei Kostproben lieferte kurz darauf Arnautovic, indem er erst den Gegner nach einem Haken ins Leere laufen ließ, zur Mitte zog und abdrückte (63.) und danach per Freistoß das Leder wenige Zentimeter am polnischen Tor vorbeischoss (67.). Und so kam es, wie es kommen musste: Die Polen nutzten einen Patzer in der Abwehr, brachten Lindner im Fünfer schwer in Bedrängnis - der konnte den Ball nur nach oben abwehren, wo bereits Krzysztof Piatek wartete und zum 0:1 einköpfte (68.). Dass das Ergebnis länger als vier Minuten hielt, hatten die Österreicher dem Glück zu verdanken, hatte doch Piatek gleich auch das 0:2 am Fuß (72.). Da half alles Klagen nichts, dass Schiedsrichter Anastasios Sidiropoulos der Foda-Elf einen Elfmeter nach Foul an Grillitsch vorenthielt. Videobeweis? Den gibt es in der EM-Qualifikation nicht.

Und so war es auch dem eingewechselten Marc Janko nicht gegönnt, dem Team in der 88. Minute per Köpfler noch das 1:1 zu retten. Österreich hat sich dennoch gut geschlagen, die EM-Qualifikation ist noch nicht vorbei.