Amsterdam. (dpa/apa/art) Mit einem Last-Minute-Sieg beim Fußball-Erzrivalen Niederlande ist Ex-Weltmeister Deutschland wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt. "Heute haben wir die PS auf die Straße gebracht", frohlockte der deutsche Bundestrainer Joachim Löw nach dem 3:2 (2:0) am Sonntagabend in Amsterdam im ersten Spiel der Deutschen in der WM-Qualifikation. In Gruppe C warten weiters Nordirland, das mit zwei Siegen aus zwei Spielen vorerst die Tabellenführung übernommen hat, sowie die Außenseiter Estland und Weißrussland.

Dass er Genugtuung empfinde, wies Löw, der nach seinem Umbau der Mannschaft und dem 1:1 im Test gegen Serbien vergangene Woche unter zusätzlichen Druck geraten war, nach einem seiner wichtigsten Siege in 13 Jahren als DFB-Teamchef weit von sich. Aber der 59-Jährige räumte ein: "So ein Sieg hilft schon für die nächsten Wochen und Monate."

Löw rühmte seine junge Mannschaft für viele positive Facetten, die sie in 90 packenden Länderspielminuten gezeigt hatte. "Die erste Halbzeit war, was das Fußballerische betrifft, überragend", schwärmte der ehemalige FC-Tirol- und Austria-Wien-Trainer. Die Tore von Serge Gnabry und Leroy Sané waren die Belohnung. Die Gastgeber schlugen durch Matthijs de Ligt und Memphis Depay nach der Pause zurück. Aber im achten Länderspiel nach der mit dem Vorrunden-Ausscheiden niederschmetternden WM in Russland kehrte das von früheren Zeiten berüchtigte Spielglück zur deutschen Auswahl zurück. Nico Schulz erzielte in der Schlussminute nach einem tollen Spielzug über die eingewechselten Ilkay Gündogan und Marco Reus den Siegtreffer. "Wir hatten den Glauben an den Sieg nicht verloren", betonte Löw.

Der finale Glücksmoment löste große Emotionen aus. "Das zeigt, dass wir doch nicht so schlecht sind. Dass wir immer noch Deutschland sind und ein gutes Team sind und einen guten Spirit haben", meinte Matchwinner Schulz. "Die Mannschaft hat ein Erfolgserlebnis gebraucht. Das haben wir zum Glück noch hinbekommen", sagte Kapitän und Tormann Manuel Neuer.

"Ich glaube, so etwas schweißt zusammen. So etwas hilft bei so einer Entwicklung. Ich glaube, dass solche Erlebnisse wichtig sind", merkte Leon Goretzka an. "Es hört sich vielleicht komisch an, aber im Nachhinein ist das 3:2 wichtiger, als wenn wir 3:0 gewonnen hätten", meinte Goretzkas Bayern-Kollege Joshua Kimmich. DFB-Direktor Oliver Bierhoff drückte die Erleichterung aus, die alle im deutschen Tross verspürten: "Natürlich tut das der Seele und der Moral gut." Erst drei Wochen nach dem Bundesliga-Ende geht es für die Deutschen in der EM-Qualifikation weiter mit einem Auswärtsspiel am 8. Juni in Weißrussland sowie dem Heimspiel drei Tage später in Mainz gegen Estland.