Podgorica. (may) Zehn Tore, sechs Punkte: Kein anderes Team ist derart fulminant in die EM-Qualifikation gestartet wie das Mutterland des Fußballs. Nur drei Tage nach der 5:0-Auftaktgala in Wembley gegen Tschechien verspeisten die jungen Three Lions am Montagabend mit Montenegro auch den nächsten Gegner in Gruppe A mit fünf Stück - 5:1-Kantersieg in Podgorica. Womit die Truppe von Gareth Southgate schon langsam für die kontinentale EM-Endrunde 2020 planen kann, zumal der nominell stärkste Gruppenkontrahent Bulgarien bei zwei Remis gegen Kosovo und Montenegro schon ordentlich gepatzt hat. Die EM-Halbfinale und -Finale im Juni kommenden Jahres steigen übrigens in London - womit auf der Insel wieder einmal vom ersten großen Coup seit dem Heim-WM-Titel anno 1966 geträumt werden darf.

Selbst ein früher Rückstand durch Marko Vesovic (18.) brachte den WM-Vierten von Russland auf der Balkanhalbinsel nicht außer Tritt, obwohl die Three Lions dort schon einmal gestrauchelt sind. Doch mit dem britischen Rumpelfußball vergangener Tage (2011 gab es in der EM-Qualifikation ein 2:2) hat die derzeit aus einem Guss spielende Southgate-Elf wenig am Hut. Tore von Michael Keane (30.) und Ross Barkley (39.) drehten die Partie noch vor der Pause, nach der die Briten die Montenegriner eiskalt auskonterten: Neuerlich Barkley (59.), Harry Kane (71.) und Raheem Sterling (81.) sorgten für den Endstand.

Rohdiamanten im Sturm

England ist damit bereits 32 Spiele in EM- und WM-Qualifikationsphasen ungeschlagen. Dabei scheint Southgate seinen Weg der radikalen Verjüngung unbeirrt fortzusetzen, obwohl im verlorenen WM-Halbfinale gegen Kroatien das Quäntchen Erfahrung gutgetan hätte. In Podgorica verhalf er dem 18-jährigen Chelsea-Profi Callum Hudson-Odoi und dem 20-jährigen Declan Rice von West Ham zu ihren Startelf-Debüts; gegen die Tschechen wiederum durfte Dortmund-Star Jadon Sancho (18) im Angriff wirbeln. Überragender Mann war aber bisher Manchester-City-Stürmer Raheem Sterling (24), der schon vier Mal getroffen hat. "Es ist großartig für unser Land, dass wir so starke Spieler haben", lobte folgerichtig Kapitän Kane, der von seinen jungen Kollegen angetan ist. "Callum und Jadon wollen einfach den Ball und suchen ständig das Eins-gegen-Eins. Es ist großartig mit ihnen, wir haben großartige Optionen." Tatsächlich sind die beiden miteinander bereits mehr als 100Millionen Euro wert. Sancho verfügt über Champions-League-Erfahrung, und um Hudson-Odoi hat sich auch Bayern München bereits vergeblich bemüht. Beide können übrigens das vorweisen, was ganz England seit 53 Jahren sehnsüchtig erträumt - einen WM-Titel. Er gelang ihnen 2017 bei der U17-WM.

Uefa leitet Untersuchung ein

Überschattet wurde die Three-Lions-Gala freilich von einem handfesten Rassismus-Vorfall. So sollen die dunkelhäutigen Spieler Hudson-Odoi, Sterling und Danny Rose von montenegrinischen Zuschauern mit Affenlauten geschmäht worden sein. Sterling jubelte darob nach seinem Treffer vielsagend mit den Händen an den Ohren in Richtung der Heimfans. "Der beste Weg, die Hater verstummen zu lassen (und ja, ich meine Rassisten)", schrieb der Offensivmann nach dem Spiel auf Instagram. Die Uefa kündigte umgehend an, die Causa am 16. Mai in der Disziplinarkammer zu behandeln.

EM-Qualifikation, Montag:

Gruppe A:
Kosovo - Bulgarien1:1
Montenegro - England1:5

Gruppe B:
Luxemburg - Ukraine1:2
Portugal - Serbien1:1

Gruppe H:
Türkei - Moldawien4:0
Andorra - Albanien0:3
Frankreich - Island4:0

Dienstag-Spiele nach Redaktionsschluss