Wien.(art) Sie hat mehr Länderspiele für Österreichs Fußball bestritten als Andreas Herzog und mehr Tore erzielt als Toni Polster. Nun beendet Nina Burger, mit 108 Matches und 53 Treffern in beiden Kategorien rot-weiß-rote Rekordhalterin, nicht nur ihre seit 2005 währende Nationalteamkarriere, sondern überhaupt gleich auch ihre Profilaufbahn. Das verkündete die 31-jährige Legionärin in Diensten des deutschen Bundesligisten SC Sand am Montag.

Im Heimspiel gegen Schweden am 9. April in der Südstadt wird sie ihren Abschied beim ÖFB feiern. Künftig will sich Burger ihrer beruflichen Weiterbildung – ab 1. Juli wird sie ihre Planstelle bei der Polizei in Wien besetzen – sowie als Trainerin widmen. Ab der kommenden Saison wird sie im Betreuerteam ihres "Herzensvereins", des SV Neulengbach, tätig sein, nebenbei will sie dort auch weiterspielen. Der Sport mache ihr nach wie vor sehr viel Spaß, aufgrund von Verletzungen sei ihr dies aber auf höchstem Level nicht mehr so möglich, wie sie sich selbst das vorstellt. "Es war so, dass ich ab 2018 regelmäßig verletzt war. Das kenne ich nicht, habe ich jahrelang nicht gehabt. Ich habe gehofft, dass es 2019 besser wird, dann habe ich aber gleich wieder eine leichte Verletzung erlitten. Es ist einfach so, dass ich jetzt sehr anfällig bin", sagte sie. "Ich bin eine Miss hundert Prozent, und ich bin schon der Meinung, dass mir ein paar Prozent fehlen." Die Entscheidung kam daher nicht gänzlich überraschend, nach dem dritten Platz bei der EM 2017 – unter anderem erzielte sie im Auftaktspiel das erste Tor einer Österreicherin bei einem Großereignis – habe sie ursprünglich noch mit der WM 2019 geliebäugelt. Doch nachdem die ÖFB-Equipe die Qualifikation verpasst hatte, habe sie Teamchef Dominik Thalhammer über ihre Überlegungen informiert. "Wir haben uns dann ausgemacht, dass ich nach dem Zypern-Cup Bescheid gebe, wie es ausschaut, und ich habe mich nun eben entschieden, meine Nationalteam-Karriere und internationale Spieler-Karriere zu beenden", erzählte sie. Thalhammer nannte die Zusammenarbeit mit Burger "einen absoluten Gewinn". Sie stehe "für extrem tolle Werte" und habe "jahrelang darum gekämpft, den Frauen-Fußball in Österreich größer zu machen", meinte der Teamchef. Auch ÖFB-Präsident Leo Windtner, der die Niederösterreicherin bei nächster Gelegenheit in den Legendenklub des ÖFB aufnehmen will, würdigte sie als "Aushängeschild" des österreichischen Fußballs. "Nina war mit ihren Leistungen und vor allem mit ihrer Einstellung und Persönlichkeit ein absolutes Vorbild – vor allem für die nächste Generation an jungen Fußballerinnen."
Nun kehrt Burger selbst dorthin zurück, wo sie einst als junge Spielerin ihren Durchbruch geschafft hat. Mit Neulengbach gewann sie neun Mal die österreichische Meisterschaft und sieben Mal den Cup. Im Rückblick sei sie "zufrieden mit dem Weg, den ich gegangen bin", wie sie sagt. Auch die Entscheidung über ihren Rücktritt fühle sich im Grunde gut an. Die eine oder andere Träne konnte sie sich aber dann doch nicht verkneifen.