London. "Der Rassismus, den wir vergangene Woche bei England gegen Montenegro gesehen haben, ist genau der Grund, warum Fare entstanden ist", sagte der Geschäftsführer Piara Powar von "Football Against Racism in Europe" bei der Eröffnung der Jubiläumsfeier in London. Er bezog sich auf das EM-Qualifikationsspiel Ende März in Podgorica, bei dem schwarze Spieler Englands von montenegrinischen Anhängern rassistisch beleidigt worden waren. Vor 20 Jahren wurde das Antidiskriminierung-Netzwerk am Karl-Renner-Institut in Wien von Aktivisten aus 13 europäischen Ländern gegründet. Als Fare damals entstand, waren rassistische Parolen in den Fußballstadien Österreichs und Europas noch stärker vertreten als heute. Mittlerweile stellt es für fast alle Vertreter im Fußballgeschäft keine allzu große Überwindung dar, sich gegen Rassismus zu positionieren.

Doch trotz der Erfolge des weltweit agierenden Netzwerks mit Fokus auf Europa gibt es noch viele Probleme und Hürden im internationalen Fußball. Das zeigt auch der Vorfall, der sich am Dienstag, nur eine Woche nach dem Match in Montenegro, in der italienischen Serie A ereignete: Beim Spiel von Juventus in Cagliari am Dienstag wurde der schwarze Juventus-Stürmer Moise Kean von einigen Heim-Fans über das gesamte Spiel hinweg rassistisch beleidigt. In der Schlussphase erzielte der 19-jährige Kean dann vor der Cagliari-Fankurve das entscheidende 2:0. Weitere rassistische Beleidigungen folgten.

Auszeichnung für Yaya Touré

Am vergangenen Sonntag sollte trotzdem gefeiert werden, was in den letzten zwanzig Jahren erarbeitet wurde. Das Fare-Netzwerk lud Mitglieder und Unterstützer anlässlich des 20-jährigen Jubiläums nach London ein. Bei der Gala im Hilton Hotel, direkt neben dem Wembley-Stadion, wurde Yaya Touré ein Award für sein Engagement als Botschafter gegen Rassismus verliehen. In seiner Dankesrede nahm der vierfache afrikanische Fußballer des Jahres die Fußballverbände Uefa und Fifa in die Pflicht, stärker gegen Diskriminierung aufzutreten. Mit beiden Organisationen arbeitet Fare eng zusammen. Zusätzlich kooperiert Fare als Dachverband mit 127 verschiedenen Initiativen und Organisationen aus 39 Ländern, die sich gegen Diskriminierung im Fußball starkmachen. Im vergangenen Jahr gab es rund 1500 Aktionen in 64 Ländern. Auch mit Profiklubs und nationalen Fußballverbänden arbeiten die Fare-Mitgliederorganisationen zusammen.

Außer den Workshops und Kampagnen, die vor allem für Sensibilisierung sorgen sollen, hat das Netzwerk seit 2013 auch ein eigenes Beobachtungssystem eingeführt, um Vorfälle von Diskriminierung in den Stadien aus erster Hand sammeln zu können. In der Folge werden die Vereine auf Fehlverhalten aufmerksam gemacht und Opfern von Diskriminierung Hilfe angeboten. Das Monitoring konzentriert sich auf Spiele der Europa und Champions League, in einem ähnlichen Programm werden auch Nationalteamspiele und die Großturniere EM und WM beobachtet. Fare-Angaben zufolge sind Fälle von Diskriminierungen bei Uefa-Klubbewerben zuletzt gesunken. Bei 2,8Prozent der Europacup-Spiele sei es demnach zu Vorfällen gekommen. Der größte Anteil geht auf rechtsextreme und fremdenfeindliche Zwischenfälle zurück. Bei der WM 2018 in Russland hat sich die Initiative auch verstärkt dem Kampf gegen Homophobie gewidmet und die internationale Kampagne von "Football vs. Homophobia" unterstützt, unter anderem wurde das "Diversity House" in Moskau mitorganisiert.