Wien. Spielabsagen wegen Terrorgefahr - nach der islamistischen Anschlagsserie 2015 leider international schon mehrmals vorgekommen; Spielabsagen nach gefährlich anmutenden Fan-Protesten - das hat es bis dato zumindest in Österreich noch nicht gegeben. Doch seit Montag ist das anders: Das für 1. Mai in der Wiener Generali-Arena angesetzte Pokalfinale zwischen Rapid und Salzburg kann aus Sicherheitsgründen nun doch nicht in der Austria-Heimstätte über die Bühne gehen, nachdem tagelang sowohl violette als auch grün-weiße Fans gegen den Austragungsort (und den Lokalrivalen) gehetzt hatten. Am Ende war es die Polizei, die dem in die Bredouille geratenen ÖFB als Veranstalter und der Wiener Austria als Gastgeber die Entscheidung abnahm: Die Sicherheit am Final-Standort könne "nicht - jedenfalls nicht mit einem in irgendeiner Weise vertretbaren Aufwand - gewährleistet werden", hieß es.

Ausschlaggebend für diese Einschätzung waren die Vorkommnisse beim Derby im Dezember, als der Rapid-Anhang zunächst unter anderem Schneebälle auf die Tangente warf und daraufhin die Sicherheitskräfte mit einer stundenlangen Einkesselung samt Perlustrierung jedes Einzelnen antworteten. Was das für das nächste Derby in Favoriten (im Herbst) beziehungsweise andere Risikospiele in Liga und Cup bedeuten könnte, konnte und wollte am Montag von den Verantwortlichen niemand erörtern. Vielmehr wurde eilig betont, diese Regelung gelte "explizit für das Finale zwischen dem FC Red Bull Salzburg und dem SK Rapid".

Dennoch könnte damit ein nicht ungefährliches Präjudiz geschaffen werden, weil sich radikale Fans durch das Nachgeben der Entscheidungsträger erst recht bestätigt fühlen könnten: Was passiert, wenn im Herbst wieder ein paar Ultras ankündigen, die Generali-Arena zu "zerlegen" und gleichzeitig das Rapid-Präsidium die ungenügende Zugangssituation am Verteilerkreis thematisiert - wird dann der Stadtrivale gezwungen, in den Stimmungskiller Happel-Stadion wechseln zu müssen? So gesehen hat sich der violette Anhang, der sich auch gegen Salzburg-Fans in "ihrem" Ostsektor gewehrt und Austria-Vorstand Markus Kraetschmer als Sündenbock ausgemacht hat, womöglich ein Eigentor geschossen.

Ersatz: Prater oder Wörthersee

Denn tatsächlich gilt nun das Prater-Oval, wiewohl es am Tag der Arbeit genug Rummel im Prater geben wird und es zudem bestenfalls halb voll sein dürfte, als erster Anwärter für die Verlegung. Laut ÖFB ist allerdings auch das Klagenfurter Wörthersee-Stadion im Rennen, wo das Endspiel in den vergangenen Jahren abgehalten wurde. Die Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen.

Der ÖFB, der mit der Vergabe an die Generali-Arena eigentlich ein Finale vor vollem Haus erreichen wollte, wird ebendies wieder nicht schaffen: 20.200 Zuschauer waren es vor zwei Jahren in Klagenfurt beim Duell Rapid vs. Salzburg; knapp 10.000 im Jahr davor (Salzburg-Admira), und auch nur 16.000 wollten im Jahr 2015 Austria vs. Salzburg sehen. Nur im Vorjahr sorgte der spätere Pokalgewinner Sturm für ein beinahe volles Haus (27.100 Zuseher).

Der ÖFB hofft, "dass nunmehr der Sport wieder in den Vordergrund rückt und wir anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des ÖFB-Cups ein würdiges Finale erleben werden", sagte ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold. Austria-Manager Kraetschmer nahm die Entscheidung "mit Bedauern zur Kenntnis" und betonte, sie gelte nur für das Cup-Finale: "Wir stehen weiter deutlich zu unseren Plänen, das Stadion auch für Veranstaltungen abseits von Heimspielen zu nutzen."

Er hat aber sportlich ohnedies größere Sorgen: Nach der unnötigen 0:1-Heimpleite gegen Sturm stehen für die Austria desaströse sechs Niederlagen in sieben Frühjahrs-Partien zu Buche. Und als Tabellenletzter der Meistergruppe gibt es auch keine Europacup-Chance, die just Rapid als Führender der Qualifikationsgruppe derzeit hätte.

Tipico-Bundesliga, 24. Runde:

Meistergruppe:

Austria Wien - SK Sturm Graz 0:1
SKN St. Pölten - WAC 1:3
Linzer ASK - Red Bull Salzburg 0:2

1. Red Bull Salzburg 24 +39 33
2. Lask 24 +22 26
3. SK Sturm Graz 24 +3 18
4. WAC 24 0 18
5. SKN St. Pölten 24 -4 18
6. Austria Wien 24 -4 15

Qualifikationsgruppe:
Wacker Innsbruck - Rapid Wien 0:2
FC Admira - SCR Altach 1:1
SV Mattersburg - TSV Hartberg 3:0

1. Rapid Wien 24 +2 19
2. SV Mattersburg 24 -6 17
3. SCR Altach 24 -1 13
4. TSV Hartberg 24 -15 13
5. Wacker Innsbruck 24 -17 11
6. FC Admira 24 -19 11