Wien. (may/apa) Der FC Barcelona und Juventus Turin haben am Mittwoch auf Kurs in Richtung Semifinale der Champions League eingeschwenkt - ohne freilich bereits im Hinspiel für klare Verhältnisse zu sorgen. Die Katalanen haben nach einem 1:0-Auswärtssieg gegen Manchester United aber im Rückspiel am Dienstag ebenso alle Trümpfe in der Hand wie die Italiener nach dem 1:1 bei Ajax Amsterdam. Allerdings sind die beiden Finalanwärter mit den Superstars Lionel Messi beziehungsweise Cristiano Ronaldo vor den Rückspielen vor heimischem Publikum gewarnt.

Ihre Rivalen haben nämlich schon in den Achtelfinal-Retourpartien für Furore gesorgt: Ajax warf Titelverteidiger Real Madrid nach einer 1:2-Heimniederlage noch mit einem 4:1 im Estadio Bernabéu aus dem Bewerb. Manchester United holte gar gegen Titelkandidat Paris St. Germain ein Heim-0:2 auf und gewann in Frankreich sensationell 3:1.

Folgerichtig wies United-Coach Ole Gunnar Solskjaer gleich nach dem Schlusspfiff auf das "Wunder von Paris" hin. "Unser Auftritt damals gibt uns Hoffnung, dass wir es auch in Barcelona schaffen können", erklärte der Norweger, der im legendären Champions-League-Finale 1999 gegen die Bayern im Camp Nou in der Nachspielzeit das 2:1 erzielt hatte.

Die Leistung der Red Devils am Mittwoch machte hingegen weniger Mut. Englands Rekordmeister feuerte erstmals seit 2005 in einem Champions-League-Match keinen einzigen Schuss aufs gegnerische Tor ab. "Das ist enttäuschend", gab Solskjaer zu. "Aber wir sind noch nicht ausgeschieden und wissen, dass wir auswärts Tore schießen können." Auch für Barcelona-Verteidiger Gerard Piqué ist das Duell noch lange nicht entschieden. "Wir haben uns einen Vorteil verschafft, doch wir wissen, was PSG passiert ist", sagte der frühere Manchester-United-Profi nach dem ersten Barça-Sieg im fünften Anlauf im Old Trafford. Eine Maßflanke von Messi auf Luis Suárez (12.) sorgte für das Goldtor (das als Eigentor von Luke Shaw gewertet wurde).

Gezeichnet verließ indes der Superstar das legendäre "Theatre of Dreams". Messi bekam von Chris Smalling in einem Zweikampf einen Schlag verpasst, blutete aus der Nase und hatte eine Schwellung im Gesicht. Eine genaue Diagnose stand vorerst aus. Im Liga-Match am Samstag beim Tabellenletzten Huesca wäre der seit Monaten an Leistenproblemen laborierende 31-Jährige wohl ohnehin geschont worden, weil das Meisterschaftsrennen schon zugunsten des Titelverteidigers entschieden sein dürfte. Aufgrund des Einzugs ins Cupfinale hat Barça die Chance, wie 2009 und 2015 das Triple zu holen.

Auch Ajax Amsterdam kann noch alle drei Titel in dieser Saison holen. Dazu wird allerdings nach dem Heim-1:1 gegen Juventus eine ähnliche Glanzleistung wie beim 4:1 in Madrid benötigt. "Wir haben nicht das Resultat geschafft, das wir wollten, aber es ist noch alles offen", betonte Coach Erik ten Hag. Die Favoritenrolle liegt jedoch klar bei den Turinern, die sich wieder auf Ronaldo verlassen konnten. Der Portugiese erzielte gegen Ajax per Hechtkopfball (45.) sein 125.Champions-League-Tor. "Er hat wieder einmal bewiesen, dass er ein Spieler auf einem anderen Level ist. Sein Timing und seine Bewegungen unterscheiden sich von allen anderen Spielern", sagte Juve-Trainer Massimiliano Allegri.

Auch die Retourbegegnungen der Dienstagspiele versprechen nächste Woche Spannung: Vorjahresfinalist FC Liverpool verteidigt in Porto einen 2:0-Vorsprung, Tottenham im innerbritischen Duell gegen Manchester City einen knappen 1:0-Polster.

Fixplatz wieder weg

Aus österreichischer Sicht brachte der Champions-League-Abend eine schlechte Nachricht: Durch das Ajax-Remis ist der für die kommende Saison ergatterte Königsklassen-Fixplatz für den Meister im Jahr 2020 wieder perdu.

Champions League, Viertelfinale:

Liverpool - FC Porto2:0
Tottenham - Man. City 1:0
Ajax Amsterdam - Juventus1:1

Man. United - FC Barcelona 0:1

Rückspiele 16./17. April
Semifinale:

Tottenham/ManCity - Ajax/Juve

Liverpool/Porto - ManUnited/Barca