Der damals verantwortliche Polizei-Einsatzleiter David Duckenfield sieht sich als Sündenbock, der für eine zu kurzfristige Planung und fehleranfällige Infrastruktur geradestehen müsse. - © APA / AFP, OLI SCARFF
Der damals verantwortliche Polizei-Einsatzleiter David Duckenfield sieht sich als Sündenbock, der für eine zu kurzfristige Planung und fehleranfällige Infrastruktur geradestehen müsse. - © APA / AFP, OLI SCARFF

Angehörige "hoffen auf Gerechtigkeit"

Die Angehörigen der Opfer kämpfen seit Jahrzehnten dafür, dass die mutmaßlichen Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden. "Alle hoffen endlich auf Gerechtigkeit", sagt der 45-jährige Daly. "Aber ob es die wirklich geben wird, wage ich nicht zu beurteilen." Erst 2016 - nach jahrelangem Streit um die Schuldfrage - entschied ein Gericht nach einer unabhängigen Untersuchung, dass die Katastrophe kein Unfall war, sondern die Polizei durch ihr Fehlverhalten eine Mitschuld trug.

Weitreichende Konsequenzen gab es bisher nicht. Anfang des Monats endete der Gerichtsprozess gegen David Duckenfield, der sich wegen fahrlässiger Tötung in 95 Fällen verantworten musste, ergebnislos. Die Jury am Preston Crown Court teilte mit, sie sei zu keinem Urteil gekommen. Die britische Staatsanwaltschaft kündigte umgehend ein Wiederaufnahmeverfahren gegen den 74-Jährigen an. Duckenfield sieht sich hingegen als Sündenbock, der für eine zu kurzfristige Planung und fehleranfällige Infrastruktur geradestehen müsse.

Anklage 2018 fallen gelassen

Die Anklage gegen einen weiteren Polizeibeamten war im August 2018 fallen gelassen worden, weil es laut Generalstaatsanwaltschaft keine realistische Aussicht auf eine Verurteilung gegeben habe. Immerhin gab es für die Angehörigen der Opfer nun einen kleinen Teilerfolg: Graham Mackrell (69), damals Geschäftsführer von Sheffield Wednesday, wurde wegen Missachtung der Sicherheitsvorschriften im Stadion für schuldig befunden. Es war der erste Schuldspruch nach Hillsborough.

Sicherheitsbedenken gegen die hohen Zäune, die als Maßnahme gegen Hooliganismus und Platzstürme damals in vielen englischen Stadien standen, hatte es schon länger gegeben. Nach mehreren brenzligen Zwischenfällen in den Vorjahren, bei denen es auch Verletzte gab, sollen sich mehrere Fans sogar schriftlich an die Behörden gewandt und vor den Gefahren in Sheffield gewarnt haben - ohne Erfolg.

Womöglich hätte das Schlimmste verhindert werden können, wenn nur die Fluchttore zum Platz sofort geöffnet worden wären. Doch die Beamten zögerten, wohl weil die Angst vor einem Platzsturm größer war als die Sorge um die Gesundheit der Fans. Weitere schwere Versäumnisse soll es bei der medizinischen Versorgung der Opfer gegeben haben.

Lange Liste mutmaßlicher Verfehlungen