Manchester. (rel) Auf den ersten Blick sieht ja die Statistik, was die Performance englischer Vereine in der Champions League (beziehungsweise im Vorgängerbewerb Meistercup) betrifft, gar nicht so schlecht aus. Liegt man doch mit zwölf errungenen Titeln (bei 20 Finalteilnahmen) auf dem soliden dritten Platz - und damit klar vor den bei sieben Trophäen haltenden Deutschen. Abräumer auf der Insel waren in der Vergangenheit vor allem Liverpool (5) und Manchester United (3), ferner schafften es Aston Villa, Nottingham und Chelsea an die Spitze der Königsklasse. Allerdings liegt der bisher letzte englische Sieg (der Blues 2012) bereits Jahre zurück, und es waren keine besonders rosigen Jahre, die das Fußball-Mutterland seitdem auf der internationalen Klubbühne erlebte.

Damit könnte aber heuer schon wieder Schluss sein. Ein Viertelfinale mit vier Teams aus England, das gibt es ja nicht oft. Während Manchester United am Dienstag mit dem FC Barcelona um den Aufstieg rang (nach Redaktionsschluss), geht es am Mittwoch für Liverpool (gegen Porto), Tottenham und Manchester City ums Ganze (21 Uhr/Sky). Wobei vor allem das Duell der Letztgenannten die größte Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das hat unter anderem mit der Person Pep Guardiolas zu tun, der in seiner Trainerkarriere zwei Champions-League-Titel (mit Barcelona) geholt und nun gelobt hat, dieses Kunststück mit den Citizens zu wiederholen. Dies würde Manchester City nicht nur den ersten Europacup-Titel seit 1970, als man sich in Wien gegen den polnischen Verein Górnik Zabrze (2:1) durchsetzte, bescheren, sondern auch den Glanz des Spaniers, der während seines Engagements bei den Bayern doch einige Kratzer abbekommen hat, wieder zum Scheinen bringen.

Die Vorausbedingung dafür ist freilich ein Sieg gegen Tottenham. Gelingt es nicht, das 0:1 aus dem Hinspiel wettzumachen, droht Guardiola das gleiche Schicksal wie im Vorjahr, als Liverpool die Träume von einem Aufstieg zerstörte. Die gute Nachricht ist: Tottenham ist nicht Liverpool, der Rückstand gering und die Motivation bei den Himmelblauen, die erst am Dienstag ihr 125-jähriges Bestehen feierten, sehr hoch. "Pep und ich teilen eine ähnliche Mentalität", sagte kürzlich Kevin de Bruyne über den Coach. "Um ehrlich zu sein: Er nimmt den Fußball noch ernster als ich. Er ist die ganze Zeit so gestresst." Dabei geht es Guardiola laut dem Belgier nicht nur ums Gewinnen: "Er will Perfektion."

Diese Perfektion wird City am Mittwoch dennoch zeigen müssen. Tottenham hat nicht nur einen Treffer Vorsprung, sondern zuletzt auch an Form (und drei Matches in Folge) gewonnen. Hinzu kommt, für die in der nationalen Premier League hinter Liverpool und Manchester City liegenden Spurs ist die Champions League die letzte Möglichkeit auf etwas Herzeigbares in dieser Saison. Gegen die Londoner spricht, dass man unter anderem auf Stürmer Harry Kane verzichten muss, der sich im Hinspiel eine Bänderverletzung im linken Knöchel zugezogen hat. Zudem ist Offensivspieler Dele Ali nach einem Bruch der linken Hand fraglich.

Tottenham als Spielverderber

Das Problem ist: Selbst wenn die Citizens am Mittwoch in der Königsklasse aufsteigen, könnte sich Tottenham in der Premier League als (auf Rache sinnender) Stolperstein erweisen: Manchester City liegt hier zwei Punkte hinter Liverpool, hat aber noch fünf Spiele zu absolvieren, Liverpool nur vier. "Wenn wir diese Spiele in dieser Woche nicht gewinnen, verlieren wir beide Titel", sagte Guardiola. "Wir haben aber auch in dieser Saison mit Liverpool einen unglaublichen Gegner gehabt." Sollte es nicht klappen, bleibt ihm wenigstens der FA-Cup. Hier steht Manchester City im Finale.