Frankfurt. (may) Europacup-Viertelfinale, Eintracht Frankfurt, Adi Hütter - da war doch was? Wer vor 25 Jahren schon Fußball geschaut hat, bei dem klingelt es bei diesen drei Begriffen ganz bestimmt, schließlich war das Uefa-Cup-Viertelfinale im März 1994 zwischen SV Salzburg (mit dem Scharfschützen Hütter) und Frankfurt eine legendäre, ja sogar historische Partie. Im ausverkauften Happel-Stadion besiegte die Otto-Baric-Truppe zunächst das damalige Starensemble von Klaus Toppmöller dank eines Knallers von Hütter mit 1:0, ehe im Rückspiel im Waldstadion eine legendäre Europacup-Nacht folgte, in der die Salzburger mit 5:4 im Elfmeterschießen das glücklichere Ende hatten: Nachdem Hütter staubtrocken seinen Penalty versenkt hatte, wurde Goalie Otto Konrad als finaler Schütze zum Helden - und bescherte Österreich den ersten Europacup-Triumph der Geschichte über einen deutschen Vertreter.

Seither ist die Eintracht (1980 noch Uefa-Cup-Sieger) - nach düsteren Jahren des Pendelns zwischen erster und zweiter Bundesliga - international nie wieder so weit gekommen. Bis eben in der heurigen Saison der Ex-Salzburg-Spieler und -Trainer das Zepter am Main übernommen hat und nun vor der großen Chance steht, die Eintracht ins Europa-League-Semifinale zu führen. Dafür braucht es am Donnerstag (21Uhr/Puls 4, RTL) nach dem 2:4 in Hinspiel gegen Benfica Lissabon freilich eine magische Europacup-Nacht, die Hütter dann wohl wieder zu seinem alten Spitznamen "Euro-Adi" verhelfen könnte (übrigens eine Analogie zu "Euro-Edi" Edgar Schmitt, der in selbiger Saison für Karlsruhe international zum Goalgetter mutierte, im Semifinale aber von den Salzburgern gestoppt wurde).

Auch wenn Sportvorstand Fredi Bobic vor einer Woche im Estádio da Luz noch vollmundig ankündigte "Die hauen wir weg im Rückspiel!", ist längst jedem bewusst, wie hart die Nuss Benfica sein wird. Zumal es zur Unzeit und binnen weniger Tage die ersten beiden Pflichtspielniederlagen in diesem Jahr setzte - nach der Pleite in Lissabon folgte für den um einen Champions-League-Platz kämpfenden Tabellenvierten eine bittere 1:3-Heimniederlage gegen den FC Augsburg. "In beiden Spielen waren wir in Unterzahl. Das ist dann auch schwierig für den Kopf: Das hat uns den Zahn gezogen", resümierte Hütter, der dem letzten deutschen Europacupvertreter nun in den entscheidenden Phasen einen Energieschub verpassen muss. Und anders als Bobic ist er Realist: "Das Ergebnis ist nicht optimal. Aber wir wollen unseren Traum weiterleben", sagte der 49-Jährige, der am Donnerstag den angeschlagenen Martin Hinteregger schonen könnte.

"Brauchen perfektes Spiel"

Nach den K.o.-Duellen gegen Schachtjor Donezk (2:2, 4:1) und Inter Mailand (0:0, 1:0), in denen die Eintracht ihre Vormachtstellung als bestes und effizientestes Pressing-Team untermauert hat, käme ein Aus gegen den vermeintlichen Außenseiter Benfica sogar überraschend - zumal sich die Hessen das Finaldatum 29.Mai (Baku) schon rot angestrichen haben. "Wir sind sehr, sehr heiß. Unsere Motivation liegt bei 150 Prozent", versprach Antreiber Sebastian Rode. "Wir müssen alles in die Waagschale werfen, aber auch kühlen Kopf bewahren." Und Hütter ergänzte: "Natürlich brauchen wir ein perfektes Spiel. Wir müssen Tore erzielen, um weiterzukommen. Aber wir müssen kontrolliert nach vorne spielen."

Hütters Tor zum 1:0-Heimsieg Salzburgs gegen Frankfurt im Video: