Turin. Ajax Amsterdams neue Generation lässt in der Champions League den Glanz der alten Tage wiederaufleben. Matthijs de Ligt, Frenkie de Jong und Donny van de Beek sind die Gesichter jener Elf, die nicht nur Real Madrid entzaubert hat. Am Dienstag verabschiedeten die Niederländer auch Juventus Turin mit Superstar Cristiano Ronaldo (CR7) nach einem verdienten 2:1-Erfolg in Turin aus dem Bewerb.

Erstmals seit der glorreichen Zeit Mitte der 1990er Jahre (mit dem Titel 1995) steht Ajax wieder im Halbfinale. 1997 war der niederländische Rekordmeister zuletzt in der Vorschlussrunde der Königsklasse, scheiterte damals an Juventus. 22 Jahre später schlichen die Italiener geschlagen vom Feld. Die vermeintliche Titelgarantie Ronaldo traf zwar wie im Viertelfinal-Hinspiel, gegen nach Seitenwechsel fulminant aufspielende Gäste machte aber auch der Portugiese keinen Stich mehr.

"Es ist bizarr, nicht normal. Mir fehlen die Worte", sagte de Ligt nach dem Schlusspfiff in Turin. Der Kopfballtreffer des erst 19-jährigen Kapitäns in der 67.Minute brachte Ajax auf Kurs. Van den Beek (34.) hatte die Juve-Führung durch Ronaldo (28.) davor ausgeglichen. Ajax-Trainer Erik ten Hag sah seine Mannschaft noch nicht am Ende des Weges. "Dieses Team wächst und wächst. Wir wissen, wie wir jedes Mal die Grenzen verschieben können. Wir freuen uns nun auf die nächste Herausforderung", erklärte er mit Blick auf das Halbfinale. Dort wartet entweder Tottenham oder Manchester City, die heute (21 Uhr) um den Aufstieg spielen.

Bangen um Österreichs Fixplatz

Mit Argusaugen beobachtet man auch in Österreich den Erfolgslauf: Denn gewinnt Ajax am 1. Juni in Madrid gar den Titel, wäre das für Österreichs Champion - wahrscheinlich Salzburg - nicht unwesentlich. Dann hätten die Amsterdamer auch einen Fixplatz für kommende Saison, während der Bundesliga-Meister in die Qualifikation müsste.

Bei Juventus sorgte das Aus naturgemäß für Unruhe. Der Börsenkurs des Serienmeisters fiel am Mittwochmorgen um 17 Prozent. Ronaldo, der vergangenen Sommer geholt wurde, um die Champions-League-Trophäe endlich wieder nach Turin zu holen, beging in den Schlusssekunden der Partie ein Frustfoul. Der 34-Jährige war mit Real Madrid Dauergast im Halbfinale, das er erstmals seit 2010 verpasste. Ein Ronaldo "reicht nicht aus", wie Italiens Gazetten am Mittwoch feststellten. "Nicht einmal eine enorme Investition wie der Ronaldo-Transfer genügt, um den Titel zu erobern, der Juve seit 1996 fehlt", schrieb der "Corriere dello Sport".

Trainer Massimiliano Allegri, dem nachgesagt wurde, sich im Sommer Richtung England zu verabschieden, stellte nach dem Spiel klar: "Ich habe schon mit dem Präsidenten gesprochen, ich bleibe auch nächste Saison, und wir planen bereits." Ajax habe den Sieg verdient, meinte der 51-Jährige. "Ajax ist kein Außenseiter. Wie könnte das sein, wenn sie fünf Tore gegen Real Madrid geschossen haben?", betonte Allegri. Es sei nicht die bitterste Stunde für den Klub. "Juventus hat immer das Ziel, alles zu gewinnen. Manchmal schaffst du es eben ins Finale, manchmal nicht."