Die Mannschaft bei der WM 1954, von rechts: Ernst Stojaspal, Gerhard Hanappi, Erich Probst, Theodor Wagner, Leopold Barschandt, Walter Kollmann, Kurt Schmied, Karl Koller (Kopf), Ernst Ocwirk und ein Betreuer. - © dpa
Die Mannschaft bei der WM 1954, von rechts: Ernst Stojaspal, Gerhard Hanappi, Erich Probst, Theodor Wagner, Leopold Barschandt, Walter Kollmann, Kurt Schmied, Karl Koller (Kopf), Ernst Ocwirk und ein Betreuer. - © dpa

Wien. Auf den Mittagstisch, umgeben von einer hölzernen Sitzbank und Stühlen, kommt zuerst eine Frittatensuppe, gefolgt von einem Wiener Tafelspitz. Theodor Wagner, von allen "Turl" genannt, freut sich. "Bei uns gibt’s was Ordentliches zum Essen", sagt der 91-Jährige. Zu verdanken ist das seiner Schwester, die sich um den ehemaligen Fußballspieler kümmert. Wagner und die Rapid-Legende Alfred Körner sind die letzten lebenden Spieler der österreichischen Mannschaft, die bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz den dritten Platz erreicht hat. Als Rechtsverbinder war Turl Wagner im 2-3-5-System gesetzt. Mit 13 Jahren ist er zu seinem Stammverein Wacker Wien gekommen, da wusste er noch nicht, dass er zu einer der größten Legenden des Klubs und des österreichischen Fußballs werden sollte. Mehr als vierzehn Saisonen spielte er für die Schwarz-Weißen, gewann die Meisterschaft und den Cup. Heute lebt Wagner in Breitenfurt, rund 30 Kilometer südwestlich von Wien. Eine ruhige Wohnstraße führt durch die beschauliche Siedlung, ein Einfamilienhaus reiht sich an das nächste. Beim gemeinsamen Mittagessen erzählt Turl Wagner, geboren 1927, von einem Fußballerleben aus einer anderen Zeit.

Der "Hausmastabua"

Alles beginnt in Meidling, wo Turl Wagner aufwächst. Seine Familie ist als Hausbesorger für ein ganzes Wohnhaus zuständig. 32 Parteien gibt es dort, der "Hausmasterbua" hilft jeden Tag mit, wo er kann. Für die älteren Bewohner erledigt er die Einkäufe. Im dreistöckigen Gebäude die Stiegen hinauf und runter zu laufen, Aufzug hat es keinen gegeben, sei das beste Konditionstraining gewesen. Die Eltern wohnen im zweiten Stock und sind oft arbeiten, Turl wächst vor allem bei seiner Großmutter auf. Sein Vater war bei Phönix 12, einem kleinen Verein im Arbeiterbezirk. Nicht nur als Spieler, auch als Sektionseiter und Präsident. Als kleiner Bub geht Turl so oft wie möglich mit auf den Platz. Wenn er mit seinem Vater heimkommt, waschen sie gemeinsam die Spielertrikots. An den Geruch der gewaschenen Trikots könne er sich noch heute genau erinnern. Er habe damals nicht viel darüber nachgedacht, "was wann und wie werden kann", wie er sagt. Als Kind bekommt er einen eigenen Fußball und spielt jeden Tag. Wenn Ältere mitspielen, wollen sie, dass "der Kleine" bei ihnen im Team spielt. Wenn es eine Rauferei gibt, wird er in Schutz genommen.

- © Daniel Shaked
© Daniel Shaked

Anders als sein Vater, der ein Centerhalf und wuchtiger Spieler war, ist er schmächtig und technisch besonders begabt. Die Trainer sagen ihm, dass er alles hat, was es braucht, und für den jungen Turl gibt es ohnehin nur Fußball. Wenn er abends nicht einschlafen kann, bekommt er den Ball ins Bett gelegt. In der Schule sei es aber schwierig gewesen. Anstatt Hausaufgaben zu machen, geht er in die Gasse Fußballspielen. Turl bewältigt die Hauptschule und wird Dreher vom Beruf.