Als Jugendlicher macht er 1944, 17 Jahre jung, sein erstes Spiel für Wacker. Wie bei allen Vereinen werden auch bei Wacker viele arrivierte Spieler in die Wehrmacht eingezogen. "Wunderteam"-Spieler wie Karl Zischek und Willy Hahnemann rücken ein. Die eigenen Jugendspieler werden in die erste Mannschaft hochgezogen. Einer von ihnen ist Turl Wagner.

Mit der heutigen Fußballergeneration will Turl Wagner nicht tauschen - "Das Geld kannst nicht fressen. Heute erlebst nix mehr." - © Daniel Shaked
Mit der heutigen Fußballergeneration will Turl Wagner nicht tauschen - "Das Geld kannst nicht fressen. Heute erlebst nix mehr." - © Daniel Shaked

Tränenreiche Premiere

Sein damaliger Trainer ist Ernst Reitermaier, denn würde Reitermaier selbst spielen, käme er auch an die Front. Er habe ihn nach Hause geschickt und ihm gesagt, dass er am Sonntag "in der Ersten" spielen würde. Das Match wird gegen den Luftwaffensportverein Markersdorf gespielt, wo Rapid- und Austria-Spieler stationiert sind. In Markersdorf, bei St. Pölten gelegen, ist von 1939 bis 1945 ein Fliegerhorst der deutschen Wehrmacht. Bei seinem ersten Spiel läuft vor dem Anpfiff alles schief, was schief laufen kann. Als jüngster Spieler ist es bei der Zugreise seine Aufgabe, den Masseurkoffer zu tragen. Schon bei der Abfahrt mit dem Zug aus Wien ist der junge Debütant extrem nervös - und beim Ausstieg vergisst er den Koffer im Zug. Viele Tränen fließen, der Trainer versucht Wagner zu trösten. "Ich hab’ mich nicht konzentrieren können und schlecht gespielt", erinnert er sich. Nach dem Spiel bekommt er schlechte Kritiken. Doch die Karriere des jungen Rechtsverbinders hatte begonnen.

Sein zweites Match findet am Wacker-Platz in Meidling gegen die Vienna statt, auf jenem Fußballplatz, auf dem er noch zur Legende des Wiener Fußballs wird. Turl und die anderen Jugendspieler von Wacker sind immer dort, auch wenn sie nicht selbst spielen. Um der Ersten zuzuschauen, um vorbereitet zu sein. Wieder ruft Trainer Reitermaier Turl zu sich, er soll sich umziehen. Aus dem Jugendspieler, der auf der Tribüne sitzt und zusieht, wird endgültig ein Spieler der ersten Mannschaft.

"Ich bin in die Kabine hineingegangen, da waren die ganzen Erfahrenen. Ich hab’ mich neben dem Zischek Karl umgezogen, ein Wunderteamspieler. Natürlich haben meine Knie gescheppert wie nur was. Der hat das gesehen und gesagt: ,Was scheißt dich an, Bua? Des is a Spiel, sonst nix. Wenn du nicht kannst, haust den Ball zu mir.‘ Da ist es losgegangen. Ich war der beste Mann am Spielfeld, hab‘ auch ein schönes Goal gemacht. Dann war ich drin bei Wacker."

Mit dem General am Semmering

1945, drei Wochen nachdem der Krieg vorbei ist, veranstaltet der SC Wacker ein Trainingslager. Der Verein sei damals der erste gewesen, der ein Trainingslager macht. Ein russischer General hatte sich zum Präsidenten von Wacker erklärt. Auf sein Geheiß fahren die Wacker-Spieler auf den Semmering, wo der General einen Hof in Besitz genommen hatte. Als die Mannschaft ankommt, lässt der General einen Lastwagen vorfahren. "Er hat vier Säue und ein paar Hendln abgeladen. Dann sind die abgestochen worden. Die ganze Woche hab’ ich Schweinsbraten gefressen, so einen Schädel gehabt. Aber ich hab’ gut gespielt."