Mit dem russischen General als Präsidenten eröffnen sich neue Möglichkeiten. Am Wacker-Platz wird ein Turnier veranstaltet, mit Wacker, Rapid, Austria und einer böhmischen Auswahl. Wagners Vater spielt bei den Böhmen mit. Turl wusste nichts davon, erst beim Hinausgehen aufs Feld erblickt er seinen Vater. "Sag ich: ,Was machst denn du da?‘ Sagt er: ,Spielen tu’ ich.‘ Im Spiel hab ich ihn ein bisschen lächerlich gemacht, mit zwei Gurkerln", erzählt er. Daheim habe er dann Schwierigkeiten bekommen. "Die Mama hat gesagt, geh’ nicht heim, der Papa erschlägt dich."

Es sei aber nicht immer alles der pure Ernst gewesen. Der Fußball ist eine gute Ablenkung von all dem Traurigen, wie er es nennt. "Man hat ja immer nur gehört, der ist gefallen und der ist gefallen. Das war nicht angenehm", sagt Wagner. Mit vielen der Gefallenen hatte er noch als Kind Fußball gespielt. Bei seinen Hausbesorgerrunden damals sieht er immer wieder einen schwarzen Partezettel hängen. ",Für Führer und Volk gefallen‘ stand da drauf." Am Abend hört die Familie oft Radio, da seien Dinge dabei gewesen, die sehr wehgetan hätten.

Meidlinger Meisterehren

Nach dem Krieg sollte seine erfolgreichste Saison mit Wacker folgen. Als Wagner 19 Jahre alt ist, wird er mit Wacker österreichischer Meister und Cupsieger der Saison 1946/47 - in einer Zeit, in der der Wiener Fußball von Rapid, der Austria und der Vienna dominiert wird. Leistungsträger der Meidlinger sind neben Turl Wagner Gerhard Hanappi, Karl Zischek und Wilhelm Hahnemann. Turl kommt in allen Partien zum Einsatz - nur in der letzten nicht. Leichtsinnig sei er damals gewesen, er habe sich eine Stirnhöhlenentzündung geholt, aber immer weiter gespielt. Irgendwann ging es nicht mehr. Der Doktor habe zu ihm gesagt: "Wenn du einen halben Tag später kommst, bist du erledigt." In der ersten und letzten Meistersaison der Wacker-Geschichte geht "alles automatisch", er sei aufs Feld gegangen und habe gewusst, dass sie gewinnen würden. Obwohl Rapid und Austria die größere Qualität gehabt hätten, aber die habe man niedergekämpft. "Rapid und Austria haben gezangelt wie nur was, die Austria überhaupt. Der Rirsch Walter, der Safarik Johann. Wenn die 1:0 in Führung waren, haben sie zum Häkeln angefangen. Aber wenn es nicht gelaufen ist, haben sie sich beschimpft. Da haben wir gewusst, jetzt haben wir eine Chance", sagt er. Beim entscheidenden, vorletzten Saisonspiel gegen den Wiener Sportclub gewinnt Wacker mit 4:0, Turl Wagner schießt zwei Tore. Der Erfolg der Wacker-Mannschaft in jenen Jahren beschränkt sich nicht auf Österreich. 1951 kommt das Team bis ins Finale des Mitropacups - und verliert dort mit 2:3 gegen Rapid. Bei den Grün-Weißen habe ihn Franz "Bimbo" Binder besonders beeindruckt. "Wenn der Lange gefetzt hat, war das ein Wahnsinn. Mich hat der Binder drei Mal K.o. geschossen. Wenn er ihn gut getroffen hat, haben die Bäume gewackelt, dass die Äste runtergeflogen sind."

Mit dem Ball um die Welt

Wackers Erfolg lässt Turl die große, weite Welt sehen. Der Wiener Fußball ist zur jener Zeit das Maß aller Dinge, die Vereine sind weltweit gern gesehene Gäste. Unter der Anleitung des Managers Maximilian Gold veranstaltet Wacker verschiedene Tourneen. Gold ist nach Amerika geflohen, als die Nazis an die Macht kamen. Vor dem "Anschluss" hatte er noch bei Hakoah Wien gespielt. Nach dem Krieg kehrt Gold nach Österreich zurück und organisiert die Auslandsreisen der Wiener Vereine. Zwei Wochen, bevor Wacker eine Südamerika-Tournee startet, ruft der "Gold-Maxl" zu einer Besprechung. Es geht darum, wie es "da drüben" abläuft, worauf man aufpassen soll. Es werde gestohlen, "dass es nur so poscht", erinnert sich Wagner an die Worte des Managers. Zu Beginn waren fünf Spiele fixiert. Wenn die Mannschaft schlecht spielen würde, könne sie mit dem Ruderboot heimfahren, drohte Gold. Der Ansporn wirkt. Am Ende spielt die Auswahl 20 Matches, 19 werden gewonnen, eines wird verloren. Bei den folgenden Spielen in Kolumbien, in Cali und Medellín hätten schon einige Zuschauer Fahnen des österreichischen Teams hochgehalten. "Die Leute haben dann schon zu uns gehalten, weil wir alles gewonnen haben", erzählt Wagner. Die Stadien sind ausverkauft, die Tournee ist ein großer Erfolg. Auch nach Costa Rica wird die Mannschaft eingeladen. Der Gastgeber beginnt stark und führt bald mit 2:0. Es geht hin und her - bis ein Foul das Spiel unterbricht. Eine Rauferei entsteht, Turl wird nach einer Auseinandersetzung ausgeschlossen. "Mein Gegenüber hat mir eine gewischt, dass ich zwei Salti geschlagen habe." Anton Wolf, der Centerhalf, habe sich als einziger wehren können. "Der war ein Bär, das kann man sich nicht vorstellen." Turl versteckt sich hinter seinem Mitspieler. "Mit jedem Schlag ist einer gelegen, so etwas habe ich noch nie gesehen. Bumm, bumm, alle sind sie umgeflogen." Das Spiel wird schließlich abgebrochen. Am darauffolgenden Abend geht die Wacker-Mannschaft auf der Promenade spazieren.