Salzburg. (may) Bereits am Tag der Arbeit könnte die Arbeit der Salzburger Kicker für diese Saison beendet sein. Denn läuft in den nächsten Tagen alles wunschgemäß, sichert sich die Red-Bull-Truppe nicht nur den 13. Meistertitel in der Vereinsgeschichte, sondern kann im Finale am 1. Mai gegen Rapid auch zum sechsten Mal den ÖFB-Pokal holen. Es wäre das früheste Double in der Geschichte des österreichischen Fußballs, zumal das Cupfinale traditionell immer erst nach dem Ende der Meisterschaft ausgetragen wurde. Und dass beide heimischen Titel binnen vier Tagen von einem Klub fixiert werden, hätte wohl auch Seltenheitswert.

Eigener Liga-Rekord greifbar

Möglich machte es der Salzburger Heimsieg am Mittwochabend gegen den WAC, der nach 0:1-Rückstand hart erkämpft war und aufgrund sehr später Tore mit 3:1 zu hoch ausfiel. Weil der erste Verfolger Lask zu Hause gegen Sturm Graz mit 1:2 verlor, wuchs der Vorsprung fünf Runden vor Schluss auf zwölf Zähler an. Was bedeutet: Holt die Elf von Marco Rose im Rückspiel am Sonntag in Kärnten (14.30 Uhr) mehr Punkte als der Lask danach in Graz (17Uhr), steht der sechsten Meistertitel en suite bereits fest. Und damit würde auch der eigene Bundesligarekord eingestellt - denn das Meisterstück bereits in der 28.Runde abzuliefern, gelang vor fünf Jahren unter Roger Schmidt schon einmal (damals freilich schon am 23. März).

Machen es die Athletiker noch einmal spannend, können es die Salzburger dann vier Tage nach dem Cupfinale in Klagenfurt (16.30 Uhr) aus eigener Kraft bei der Wiener Austria schaffen und am Doch-Nicht-Finalschauplatz Generali-Arena ihre Meisterparty veranstalten. "Nächste Woche kann eine goldene Woche für uns werden", sagte folgerichtig der zu Sevilla wechselnde Goalgetter Munas Dabbur.

Rose bezeichnete den späten Sieg gegen die Mannschaft von Christian Ilzer, der als Oliver-Glasner-Nachfolger beim Lask im Gespräch ist, als "großen Schritt" zum Meistertitel. "Jetzt wollen wir auch den nächsten Schritt machen, denn es geht ans Eingemachte. Wenn es bereits am Sonntag passiert, dann ist das schön und gut", erklärte der Deutsche, der kommende Saison in Gladbach tätig ist.

Im Lavanttal gewannen die Salzburger diese Saison bereits, am 29. September gab es einen 4:1-Sieg. "Je früher die Meisterschaft fixiert wird, umso besser", sagte Kapitän Andreas Ulmer. Fraglich ist aber, ob der 33-Jährige am Sonntag zum Einsatz kommen wird. Denn allgemein erwartet wird, dass Rose im Hinblick auf das Cup-Finale in Klagenfurt zahlreichen Stammkräften eine Pause gönnt. Zumal der WAC gewillt ist, den Serienmeister wieder voll zu fordern: "Wir müssen die Köpfe freibekommen, wieder Kräfte sammeln und Salzburg am Sonntag voll attackieren", sagte WAC-Coach Ilzer. Und Punkte sind für die Kärntner im Kampf um Rang drei enorm wichtig, da Sturm und St. Pölten nur einen Zähler dahinter lauern. "Wir wollen das Maximum rausholen. Wenn es dann nicht der dritte Platz wird, wird im Lavanttal aber die Sonne auch wieder aufgehen", meinte Ilzer.

"Schnauze voll" bei der Austria

Von der Sonne weit entfernt ist indes die Wiener Austria - vielmehr verdunkelt sich der Himmel am Verteilerkreis immer mehr. Das 2:2 gegen St. Pölten offenbarte am Mittwochabend, warum die Wiener derzeit zurecht auf Rang sechs der Meistergruppe und damit auf einem Nicht-Europacupplatz stehen. Zehn Spiele, dabei nur ein Erfolg gegen den um den Klassenverbleib kämpfenden TSV Hartberg - die Austria wankt wie ein Abstiegskandidat durchs Frühjahr.

"Wir haben die Schnauze voll", skandierte der harte Fankern der Violetten nach dem Remis noch lange nach Schlusspfiff - zuvor konnte ein Platzsturm knapp verhindert werden. AG-Vorstand Markus Kraetschmer, gegen den sich die Unmutsäußerungen richteten, sprach von "stümperhaften Fehlern" bei den Gegentoren. "Trotz der Anstrengungen der letzten Tage haben wir nicht das gesehen, was wir uns erwarten", meinte der Manager.

Ohne die gesperrten Michael Madl und Alexander Grünwald präsentierten sich die Favoritner im Spielaufbau ohne Ideen. Zu viele Spieler, davon auch die meisten Sommer-Zugänge, agieren unter ihrer Normalform. Robert Ibertsberger, der zum Saisonende seinen Trainerposten räumen muss, sprach von einer "Riesenenttäuschung". "Wir haben Dinge vermissen lassen, um mit einem Sieg aus der Partie raus zu gehen." Somit wird das Rückspiel in St. Pölten zu einer Art Finale, in dem verlieren verboten ist. "Das Einzige, das helfen würde, ist ein Sieg", meinte Routinier Florian Klein. Ein großes Wort von einem Austrianer gelassen ausgesprochen.