Wien. Es ist nur der erste Blick, und der kann bekanntlich manchmal täuschen. Beinahe auf den Tag genau nach Marco Roses erstem Meistertitel mit Red Bull Salzburg fuhr er mit einem 2:1-Sieg mit seiner Mannschaft vor seinem Abschied nach Mönchengladbach auch seinen zweiten ein, ein 2:1-Auswärtssieg gegen die Austria am Sonntagabend brachte die Entscheidung. Für die Salzburger war es das sechste Meisterstück in Folge, das zehnte in der Red-Bull-Ära.

Die Hierarchie ist also gleich geblieben - vieles andere aber nicht. Denn die Saison 2018/19 hat nicht nur mit dem Linzer ASK einen neuen Vizemeister gebracht, sondern der Bundesliga auch die am tiefesten greifenden Neuerungen seit Jahrzehnten beschert. Die (Zwischen-)Bilanz der neuen Zwölferliga fällt zwiespältig aus. Während Ligavorstand Christian Ebenbauer die neu gewonnene Spannung sowie die dramaturgischen Erzählmöglichkeiten durch die Punkte- und Ligateilung in Meister- und Qualifikationsgruppe und das zum Abschluss noch zu bestreitende Play-off um den letzten Europacup-Platz als Positiva herausstrich - ganz abgesehen freilich von den gestiegenen Einnahmen durch den Vermarktungsvertrag mit Erstrechteinhaber Sky -, regte sich zuletzt durchaus auch Kritik an eben jenen Punkten.

Zuschauerentwicklung
leicht positiv

Zuletzt beklagte etwa Markus Schopp, Trainer des Tabellenschlusslichts Hartberg, den Druck in der Qualifikationsgruppe, der zu "Angst-Fußball" führe. Schon davor hatte sich Mattersburg-Routinier Patrick Salomon ähnlich geäußert, davon gesprochen, dass in der Qualifikationsgruppe wenig ansehnlicher Fußball mit "hohen Bällen, Krampf und Kampf" betrieben werde. Einer statistischen Untersuchung freilich hält dieser Befund kaum Stand - die Zahlen der langen Pässe variierten zwischen Grunddurchgang, Meister- und Qualifikationsgruppe nur minimal -, zudem waren die Mannschaften am unteren Ende der Nahrungskette im Oberhaus auch davor nicht unbedingt für die ballestrischen Feinheiten bekannt. Was sich allerdings beobachten lässt, ist ein (leichter) Trend bei der Zuschauerentwicklung, die freilich ebenso in Zusammenhang mit den teilnehmenden Mannschaften zu sehen ist. Hatte die Bundesliga nach dem Grunddurchgang noch stolz vermeldet, dass neun der nunmehr zwölf Vereine ihre Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr steigern konnten, sind diese nach der Teilung bei den meisten Klubs am oberen Ende stabil geblieben oder noch besser geworden, während sie bei einigen in der unteren Hälfte wieder zurückgegangen sind. Rapid, einer von drei Klubs, die nach dem Grunddurchgang mit minus 6,62 Prozent aus den verschiedensten Gründen etwas schlechter dastanden als im Jahr davor, wies nach der 27. Runde, von der die bisher letzten Gesamtzahlen datieren, insgesamt ein Minus von 9,53 Prozent auf, ist aber nach wie vor mit durchschnittlich knapp 17.000 Besuchern bei Heimspielen der zuschauerstärkste Klub.

Einen solchen wird man wohl aus Hartberg nicht mehr machen - wiewohl auch die Steirer in dieser Hinsicht über die Reform nicht nörgeln können. Nach dem Aufstieg steigerte sich die Zuschauerzahl um 200 Prozent. Mit dem Gefälle zwischen oben und unten steht die heimische Liga nicht alleine da. In der niederländischen, deren Klubs Österreich zuletzt in der Fünfjahreswertung dank der Erfolge von Ajax Amsterdam auf den zwölften Platz verwiesen und die daher eher vergleichbar ist als die Topligen in Spanien, Deutschland oder Italien, pilgern im Schnitt mehr als 52.000 Fans zu den Ajax-Spielen, während sich etwa Excelsior Rotterdam mit knapp 4000 begnügen muss.

Verschiebungen in
den Niederlanden

Auch in der Eredivisie wird der letzte Europacup-Platz übrigens nach der Meisterschaft mittels Play-off ermittelt. Und auch dort ist heuer alles ein bisschen anders: Nach dem Halbfinal-Einzug von Ajax in der Champions League verlegt der Verband eine Runde in die Zeit nach dem eigentlichen Saisonende. Auch die Play-offs gegen den Abstieg und um den Europacup müssen verschoben werden. Es sind Luxusprobleme - die man in Österreich freilich gerne hätte.