Amsterdam. Ajax Amsterdam zeigt sich mit der Aussicht auf den größten Erfolg auf internationaler Bühne seit 23 Jahren nicht nervös. Im Halbfinale der Champions League hat der niederländische Traditionsklub mit einem 1:0-Auswärtssieg bei Tottenham vorgelegt. In der heimischen Johan-Cruijff-Arena will Ajax am Mittwochabend (21 Uhr/Sky, Dazn) mit Selbstvertrauen vollgepumpt den Erfolgslauf fortsetzen und ins Finale einziehen, in dem der FC Liverpool nach dessen historischer Aufholjagd gegen den FC Barcelona warten würde.

Der am Wochenende eingefahrene Cup-Titel soll nicht der einzige in dieser Saison bleiben. "Es schaut so aus, als ob alles für uns läuft. Dieses Gefühl müssen wir bewahren", sagte Daley Blind nach dem 4:0 gegen Willem II. "Wir sind noch nicht fertig, diese Saison kann noch viel besser werden", betonte der Verteidiger. In der Ehrendivision kann Ajax den Titel noch einfahren, in der Champions League sieht man sich ebenfalls für Höheres bereit. "Die Erinnerungen an den Aufstieg gegen Real Madrid werden immer bleiben. Aber man braucht auch etwas Handfestes, und das sind Titel", sagte Trainer Erik ten Hag. Am liebsten würde die Mannschaft "alles abräumen", so der 49-Jährige.

Begehrte Talente

Der Erfolg im Cup war der erste Gewinn einer Trophäe nach fünf Jahren Pause. In den kommenden Wochen könnte sich die Sammlung nun schlagartig vergrößern. Zuletzt stand Ajax 1996 - ein Jahr nach dem Sieg über Milan in Wien - im Finale der Champions League. Daley Blind war damals sechs Jahre alt, sein Vater Danny war für die Amsterdamer auf dem Spielfeld. Der nun 29-Jährige Daley ist einer jener Routiniers, die das junge Ajax-Team um Nebenmann Matthijs de Ligt, den künftigen Barcelona-Profi Frenkie de Jong oder Hinspiel-Torschütze Donny van de Beek anführen. Das Trio dürfte ebenso wie Stürmer Hakim Ziyech im Sommer weg sein. Ajax rüstet sich deshalb bereits für die Sommer-Transferzeit. Bemühen soll sich der Verein bereits um das norwegische Toptalent Martin Ödegaard (20) von Real Madrid, dessen Entwicklung zuletzt ein wenig ins Stocken geraten ist.

Tottenham erwischte nicht unbedingt eine ideale Vorbereitung. Das Ligaspiel bei Bournemouth wurde 0:1 verloren, Son Heung-min und Juan Foyth wurden dabei ausgeschlossen. Son ist in Amsterdam in Abwesenheit des verletzten Harry Kane der große Hoffnungsträger der Londoner. Der im Hinspiel gesperrte Stürmer aus Südkorea traf in der K.o.-Phase der Champions League fünfmal, darunter dreimal im Viertelfinale gegen Manchester City. Für die Spurs geht es um die erstmalige Teilnahme in einem Finale des höchsten Europacup-Bewerbs. 1962 stand Tottenham im Halbfinale, unterlag dort Benfica. Trainer Mauricio Pochettino sprach auch deshalb von einer jetzt schon erfolgreichen Saison. "Es liegt in unseren Händen, ob wir im Finale dabei sind. Wenn es nicht sein soll, können wir dennoch stolz sein, weil niemand erwartet hätte, dass Tottenham heute hier steht."