Zürich. Das hat selbst im Fußball wohl Seltenheitswert. Der Grasshopper Club Zürich hat sich unter skandalösen Umständen aus der Schweizer Super League verabschiedet. Anhänger des Rekordmeisters erzwangen am Sonntag beim Stand von 0:4 in Luzern einen Spielabbruch. Die Hooligans forderten nach einer kurzen Unterhaltung mit Klubchef Stephan Rietiker und Torhüter Heinz Lindner die Herausgabe der Trikots - was auch passierte.

Diese Schmach war zu Wochenbeginn das Thema. "Wenn es dazu beigetragen hat, Ausschreitungen oder Gewalt zu verhindern, ist es egal, ob es erniedrigend ist oder nicht", sagte Österreichs Teamtorhüter Lindner sichtlich mitgenommen nach dem Spielabbruch. Der Oberösterreicher, dem die Anhängerschaft keine Schuld für die desaströse sportliche Vorstellung in dieser Saison gibt, hatte sich zur Beruhigung der Lage zu den Fans aufgemacht. Zu verhandeln gab es aber nur wenig. Die großteils vermummten Rowdys hatten sich am Spielfeldrand versammelt und so eine sichere Fortführung der Partie unmöglich gemacht. Sie forderten Trikots und Hosen der Kicker. Die Grasshoppers kamen danach auch noch einmal aufs Feld, um ihre Leiberln auszuhändigen. Für den ebenfalls im direkten Gespräch mit den Platzstürmern stehenden Reitieker die richtige Entscheidung. "Man kann mich als Weichei bezeichnen", erklärte der Klubpräsident am Montag. "Aber ich musste abwägen, auch wenn es Erpressung war." Freilich schäme er sich dafür, so Rietiker, aber es sei nur noch darum gegangen, Schlimmeres zu vermeiden. "Es war kein Kniefall, sondern es ging um Deeskalation."

Rietiker nahm nach diesem Vorfall den bereits zweiten von eigenen Fans erzwungenen Spielabbruch binnen acht Wochen, auch andere Akteure in die Pflicht. "Es ist auch ein politisches sowie gesellschaftliches Problem", betonte der 62-Jährige. So würden Autosünder in der Schweizer Gesellschaft härter bestraft als Kriminelle. "In Deutschland, beim American Football in den USA oder in England würden diese Leute im Kastenwagen abgeführt."

Grasshoppers 18 Spiele sieglos

Rietiker fordert die Politik, die Liga und die Vereine auf zu handeln und plädierte für einen vernünftigen Mix zwischen Dialog und Repression. Die Grasshoppers Zürch steigen nach der auf dem grünen Tisch unvermeidbaren Niederlage nach 70 Jahren in der obersten Schweizer Liga in die Challenge League ab. Der Abstieg hatte sich seit langem abgezeichnet. Seit 18 Spielen, seit Oktober 2018, wartet der Verein schon auf einen Sieg. Lindner und Stürmer Marco Djuricin werden den Verein im Sommer verlassen. Von Raphael Holzhauser hatte sich der Klub bereits im Frühjahr getrennt.