Wien. Die Schwelle zwischen Profi- und Amateurbereich, sie kann ein gefährliches Pflaster sein, das schon so manche Fußballerkarriere ins Stolpern brachte. Wo Großmannssucht auf wirtschaftliche Kleingeisterei trifft und der Traum vom Berufsbild Fußballer auf mangelnde Ausbildung, werden junge Talente nicht selten zerrieben. Immer wieder hörte und las man in den vergangenen Jahren von Klubs, die zusperren mussten, weil sie die Gehälter nicht mehr ausbezahlen konnten, von Kickern, die auf der Straße oder sogar - etwa mit illegalen Wetten und Manipulationen - in der Kriminalität landeten. Nicht zuletzt um diesen Umstand zu beheben, wurden die ersten zwei Leistungsklassen in Österreich, die unter dem Dach der Bundesliga zusammengefasst sind, vor dieser Saison einer Rundumerneuerung unterzogen. Kurz vor Abschluss dieses Spieljahres zog Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer nun auch für die neue zweite Liga eine Bilanz, die "viel, viel besser ist als erwartet", wie er bei der von der Vereinigung der Fußballer initiierten Diskussionsveranstaltung unter dem bewusst nicht unprovokant gewählten Titel "Profifußballer in Österreich - Bettler oder Millionär?" sagt.

"Wir haben mit ,Hpybet‘ einen Bewerbssponsor, wir haben sportliche Homogenität, und wir haben eine hohe Einsatzquote junger österreichischer Spieler", sagt Ebenbauer. Was der Fußball in Österreich freilich auch hat, ist eine gewaltige Gehaltsschere zwischen den beiden Leistungsklassen, wie eine Studie der Vereinigung der Fußballer (VdF) ergab: Demnach verdient ein Kicker der tipico-Bundesliga im Schnitt rund 8000 Euro brutto exklusive Prämien, einer der Hpybet-Liga rund 1300 als Monatsfixum.

Freilich ist die Validität der Zahlen nicht hundertprozentig gesichert. Zum einen wurden grobe Ausreißer - Spitzenverdiener bei den Spitzenklubs bekommen ein Vielfaches davon - weg- und ein arithmetischer Mittelwert errechnet; zum anderen beruhen sie einzig und allein auf den Eigenaussagen der Spieler.

Unterschiedliche Verträge

Ebenbauer sind die bisher bekannt gemachten Daten zudem nicht detailliert genug aufgeschlüsselt, weil etwa Teilzeitarbeit nicht in der Auswertung berücksichtigt ist. Man dürfe nicht vergessen, dass die zweite, nunmehr aus 16 Mannschaften bestehende Leistungsklasse eine Hybridliga sei: "Wir haben Profiklubs, wir haben Amateurmannschaften von Profiklubs, und wir haben reine Amateurklubs", betont er.

Das allerdings war durchaus so gewünscht; sowohl seitens der Spielergewerkschaft, die schon seit Jahren mit dem Mantra "Der Fußball in Österreich verträgt keine 20 Profiklubs" auf eine Reform drängte, als auch seitens des quasi übergeordneten Arbeitgebers, der Bundesliga. "Wir wollten das duale Ausbildungssystem für junge Spieler forcieren", heißt es. Und dieses System scheint, glaubt man der Umfrage, an der sämtliche Spieler der ersten beiden Ligen teilgenommen haben, bei ihnen durchaus besser anzukommen als bei den Zuschauern, deren Zahlen noch ausbaufähig sind. Demnach befürwortet ein überwiegender Teil der Akteure - in der ersten Liga sind es noch mehr als in der zweiten - die Neuerungen.