Budapest. Gegen die Frauenmannschaft von Olympique Lyon scheint ja aktuell kein Kraut gewachsen. Weder in der nationalen Meisterschaft noch in der Women’s Champions League, die mit dem Finale am Samstag in Budapest (18 Uhr/Eurosport und Dazn) zwischen Lyon und dem FC Barcelona ihren Saisonhöhepunkt findet. 13 Meistertitel, sieben Double-Siege sowie sieben Finalteilnahmen in der Königsklasse mit insgesamt fünf Titeln sprechen hier eine klare Sprache. Ebenso freilich die Wettquoten: Wer auf das bisher auf europäischer Ebene titellose Barcelona setzt, kann im Falle eines Triumphes mit dem Fünffachen seines Einsatzes rechnen, Olympique-Fans hingegen nur mit einem Drittel (5 zu 1,30).

Die Stärke der Französinnen entstand nicht von heute auf morgen. Bis zum ersten Meistertitel vor zwölf Jahren war der Klub, der aus dem 1970 gegründeten FC Lyon hervorgegangen und erst 2004 zu Olympique gewechselt ist, weder national noch international aufgefallen. Der Durchbruch gelang 2011, als man nach einem Durchmarsch in der Meisterschaft - mit 22 Siegen in 22 Punktspielen und einem Torverhältnis von 106:6 - erstmals auch die Champions League gewinnen konnte. Der Gegner im Endspiel hieß damals Turbine Potsdam - Titelverteidiger, zwölffacher deutscher Meister (inklusive DDR) sowie aktuell Stammklub von ÖFB-Spielerin Sarah Zadrazil.

In Frankreichs Liga ist die Konkurrenz, der die von Legionärinnen und Rekordspielerinnen gespickte Olympique-Elf von Coach Reynald Pedros ausgesetzt ist - mit Ausnahme von Paris St. Germain freilich -, fast chancenlos, weswegen ihr derzeit nur deutsche Klubs das Wasser reichen können. Finale mit schwedischer oder englischer Beteiligung, wie das vor 15 Jahren üblich war, findet man in der Statistik nur noch selten. Das ist erstaunlich, zumal England mit Chelsea, Manchester City oder Arsenal (Champions-League-Sieger von 2007) eigentlich über sehr gute Frauenabteilungen verfügt, die es auch wiederholt ins Viertel- oder Halbfinale der Königsklasse schaffen, dort aber an der deutschen oder französischen Konkurrenz scheitern.

Mit Hut und Rock zum Spiel

Dabei gilt die Insel wie bei den Männern auch als Mutterland des Frauenfußballs. Historisch war es nämlich die Londonerin und Frauenrechtsaktivistin Nettie Honeyball, die 1894 mit den British Ladies den ersten Fußballklub für Frauen gegründet hatte. Das erste Spiel, das im März 1895 zwischen zwei Auswahlen aus dem Norden und Süden Englands ausgerichtet wurde, endete 7:1 und wurde von immerhin 10.000 Menschen verfolgt, wobei vor allem die Bekleidung der Spielerinnen, die aus Anstandsgründen mit Hut, Rock und Knickerbockern antreten mussten, für Aufsehen sorgte.