Der Erste Weltkrieg sollte die Attraktivität des Frauenfußballs, nachdem die meisten Männer eingezogen wurden, zusätzlich erhöhen und in den 1920er Jahren zu einem regelrechten Hype führen. Jede größere Ortschaft in England (aber auch in Frankreich) hatte bald ihre eigene Frauenmannschaft und natürlich Fangemeinde: So wurde etwa das Spitzenspiel zwischen den Dick Kerr’s Ladies und den St. Helens Ladies in Everton 1920 von nicht weniger als 53.000 zahlenden Zuschauern verfolgt. Im selben Jahr traten die Dick Kerr’s Ladies auch zum ersten Mal international gegen eine Auswahl von Spielerinnen der Pariser Vereine Fémina Sport, En Avant und Les Sportives an - und siegten 2:1.

In Deutschland, Österreich und Polen hingegen blieb der Frauenfußball zunächst noch eine Randerscheinung. Erstens war die Zahl an fußballbegeisterten Studentinnen im akademischen Bereich, wo der Sport seinen Ursprung fand, vergleichsweise gering. Und zum Zweiten galt das Spiel mit dem Ball nach Art der Männer als für Frauen verwerflich - erst recht unter den Nationalsozialisten. Sie waren es auch, die schließlich dem Frauenfußball in Deutschland und Österreich, das noch im Jahr 1935 eine eigene Damenfußball-Union ins Leben gerufen hatte, rasch einen Riegel vorschoben. An dieser Geisteshaltung sollte sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg vorerst nichts ändern. So stellte etwa der Anthropologe Frederik Buyendijk 1953 die These auf, wonach das Fußballspiel "eine Demonstration der Männlichkeit" und daher das Treten von Bällen "spezifisch männlich" sei, das "Nichttreten" aber weiblich. Ähnlich äußerte sich der Deutsche Fußballbund, indem er festhielt: "Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand."

Keine Stollenschuhe für Damen

Es sollten mindestens 15 Jahre vergehen, bis der DFB und etliche andere Verbände, darunter der ÖFB, ihren Widerstand aufgaben und die Gründung von Frauenteams und Ligen zuließen. Allerdings mussten die Damen wegen ihrer "schwächeren Natur" zunächst eine halbjährige Winterpause einhalten, auf Stollenschuhe verzichten und mit kleineren und leichteren Bällen vorlieb nehmen. Auch war die Spielzeit noch auf 70 Minuten beschränkt. Die Gleichstellung mit den Herren erfolgte 1993, seit 1996 ist Frauenfußball Teil des olympischen Programms. Die Gründung des Women’s Cups 2001, Vorläufer der Women’s Champions League, war da die logische Konsequenz. Dennoch gibt es im Bereich des Frauen-Klubfußballs noch viel zu tun. Beginnend bei den Finanzen und der Bezahlung der Spielerinnen bis hin zur Frage der geringen medialen Wahrnehmung und damit fehlenden Werbemillionen. Die Behauptung, wonach Frauenfußball nicht so ansehnlich oder spannend wie jener der Männer sei, ist in den vergangenen Jahren wiederholt widerlegt worden. Einen Beitrag dazu, dass in Österreich Top-Spielerinnen wie Nina Burger, Manuela Zinsberger oder Viktoria Schnaderbeck wieder in den Fokus des Interesses geraten sind, hatte freilich die Leistung der Frauen-Nationalmannschaft bei der EM 2017 geleistet. Bei Olympique Lyon oder dem FC Barcelona steht aktuell keine Österreicherin unter Vertrag. Aber das heißt nicht, dass man sich dieses Champions-League-Finale entgehen lassen sollte.