- © apa/Helmut Fohringer
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Wien. (art) Böses Blut gibt es bei der Reunion nicht, dafür ist es einfach zu grün. Oder, wie Zoran Barisic, vor drei Jahren trotz des Vizemeistertitels als Trainer von Rapid unsanft vor die Türe gesetzt, am Freitag als neuer Geschäftsführer Sport wieder in Hütteldorf präsentiert, sagt: "Es ist anscheinend so, dass Rapid so etwas Ähnliches wie ein Organ von mir ist." Von 1993 bis 1996 hat Barisic das grün-weiße Trikot getragen, 98 Pflichtspiele absolviert, 15 Tore geschossen, den Cupsieg 1995, den Einzug ins Europacup-Finale sowie den Meistertitel 1996 gefeiert.

So weit die Zahlen. Aber da ist noch etwas anderes. Es war jene legendäre Mannschaft, die die wirtschaftliche Misere des Vereins vergessen und die Fans träumen ließ. Und es war diese Mischung aus Leichtigkeit und Einsatz; Barisic, Dietmar Kühbauer, Stephan Marasek und Sergej Mandreko verkörperten sie als "die Daltons" auf und abseits des Feldes. Marasek legte nach seiner Spielerkarriere eine mäßig erfolgreiche Trainerlaufbahn vorwiegend im Tiroler Unterhaus hin, Mandreko leidet mittlerweile an der unheilbaren Krankheit ALS.

Barisic und Kühbauer aber haben zurückgefunden, als Geschäftsführer und Trainer werden sie gemeinsam die sportlichen Geschicke leiten. Die Frage, ob es schwierig werde, quasi als Chef seines Kumpels zu agieren, stelle sich nicht, sagt Barisic. "Wir werden Partner sein. Der Cheftrainer ist die wichtigste Person für die Kampfmannschaft, Gott sei Dank ist es der Didi. Er ist definitiv die richtige Person für diesem Verein. Er hat meine volle Unterstützung, mein volles Vertrauen, und ich freue mich besonders, dass wir nach so vielen Jahren bei Rapid zusammenarbeiten können."

Dass die plötzliche Demission durch Präsident Michael Krammer vor drei Jahren Spuren hinterlassen hat, will Barisic nicht leugnen. Ein Jahr lang habe es gedauert, bis man sich zusammengesetzt und die Dinge ausgesprochen habe. "Wenn man sich die Perspektive des anderen anhören kann, kann man sehr viel daraus lernen", sagt Krammer. In all den seither erfolgten Gesprächen habe er schnell gemerkt, dass es "bei ihm immer um Rapid gegangen ist. Das hat mich beeindruckt".

An diesem Freitag scheint auch Barisic, heute 48-jährig, mit den negativen Begleiterscheinungen der Vergangenheit abgeschlossen zu haben. Er sitzt aufgeräumt im Allianz-Stadion, so aufgeräumt, wie er am Montag bei der Amtsübergabe durch seinen Vorgänger Fredy Bickel ("Ich schätze ihn sehr") sein Büro vorfinden wird. Und dann beginnt die Arbeit so richtig: "Ich muss mir ein Bild verschaffen, den Ist-Stand analysieren. Dann werden wir mit Didi und dem Trainerteam eine Mannschaft auf die Beine stellen, die in Zukunft erfolgreich sein kann."

Natürlich will man auch die heurige Saison mit einem Europacup-Startplatz positiv abschließen, für ihn geht es aber um mehr: "Um Ausbildung, um eine einheitliche Arbeit, darum, Spieler vom Nachwuchs für die Kampfmannschaft zu entwickeln. Dabei müssen wir als Gemeinschaft auftreten und die Fans ins Boot holen." Und natürlich wird es viele Gespräche mit Kühbauer geben - ganz gewiss ohne böses Blut.