Wien. Christian Hetterich sitzt in der Bäckerei gegenüber des Sportclubplatzes in Hernals. Vor sich hat er einen Kaffee, sein Handy, mehrere Mappen und einen Info-Folder liegen. Für die letzten Vorbereitungen bleiben nur noch wenige Tage. Vor fast einem Jahr hat Hetterich mit der Planung eines historischen Fußballspiels begonnen: Am Samstagnachmittag soll im Stadion des Wiener Sportclub das bestbesuchte Frauenfußballspiel der österreichischen Fußballgeschichte über die Bühne gehen, wenn das WSC-Frauenteam jenes des FC St. Pauli empfängt.

Schon in den vergangenen Jahren hat der Sportclub große Namen für internationale Freundschaftsspiele nach Hernals eingeladen, zum Beispiel Paris Saint-Germain oder Valencia - dabei kam aber immer nur das Männerteam des Regionalligisten in den Genuss, vor mehreren tausend Zuschauern zu spielen. Das will Hetterich, der beim Sportclub Bereichsleiter der Frauenfußballsektion ist und seit 18 Jahren in verschiedenen Funktionen für den Verein arbeitet, nun ändern. "Bei den Männern haben die internationalen Spiele unser Stadion gut gefüllt. Ich habe mir einfach gedacht, dass man das auch für das Frauenteam machen kann", sagt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Es sei ihm schnell klar gewesen, dass der FC St. Pauli der perfekte Gegner dafür ist.

Christian Hetterich. - © Dornbach Networks
Christian Hetterich. - © Dornbach Networks

"Der Name zieht einfach, gerade im Umfeld des WSC", meint Hetterich. Der typische Sportclub-Anhänger sympathisiere mit St. Pauli, das für seine offene Vereinskultur und die politische Fankurve bekannt sei. Hetterichs ursprünglicher Traum war, dass das Spiel vor ausverkauften Rängen stattfindet. Das wird sich nicht ausgehen, doch der Rekord für das bestbesuchte Frauenspiel ist noch erreichbar. Der Höchstwert liegt bei 3600 Fans beim Spiel des ÖFB-Teams gegen Russland in St. Pölten 2012. Am Mittwoch waren mehr als 2500 Karten verkauft.

Hetterich will sich damit noch nicht zufrieden geben. "Viele sind noch nie mit Frauenfußball in Berührung gekommen. Man muss die Leute wirklich einzeln an der Hand nehmen und ins Stadion führen", sagt er. Um möglichst viel bieten zu können, wird es rund um das Spiel ein Rahmenprogramm geben, das neben der kulinarischen Verpflegung etwa auch eine Kinderbetreuung oder eine Fotobox beinhaltet. "Die Leute wollen unterhalten werden", glaubt Hetterich. "Vielleicht werden die Leute dann auch sehen, dass die Spielerinnen richtig gut kicken können und dass die eine andere, positive Art haben, miteinander umzugehen."