Erhoffte Vorbildwirkung

Vor elf Jahren hat Hetterich, der gelernter Bürokaufmann ist und seit fast dreißig Jahren in verschiedenen Sportvereinen tätig ist, "Dornbach Networks" gegründet. Ziel ist die wirtschaftliche Vernetzung von Unternehmen rund um den Verein. Das Logo des Netzwerks, in dem rund 200 Firmen dabei sind, ziert auch die Trikots des Frauenteams, das sich für die nächsten Jahre den Aufstieg in die Bundesliga vorgenommen hat. Vor wenigen Wochen wurde der Meistertitel in der dritten Liga fixiert. Im Juni folgt die Relegation um den Aufstieg. Die Einnahmen aus dem Spiel gegen St. Pauli sollen den Grundstein für zukünftige Zweit- oder Erstliga-Saisonen legen. Die Heimspiele werden im Sportclub-Trainingszentrum ausgetragen - meist vor nicht mehr als dreißig Zuschauern. "Es ist eine Gemeinheit, dass die Frauen praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen. Da kommen meistens nur die Verwandten zuschauen. Die Frauen hätten sich viel mehr Fans verdient", sagt er. In der österreichischen Bundesliga liegt der Zuschauerschnitt bei circa 200 Zuschauern. Aber in Österreich sei der Frauenfußball allgemein nur das fünfte Rad am Wagen der Vereine, sagt Hetterich und verweist auf Red Bull Salzburg und Rapid, die noch gar keine Frauenteams haben. "Ich möchte mit dem Spiel auch ein positives Beispiel geben für die anderen Vereine in Österreich", sagt er.

Hamburger Vorfreude

Der Sportclub hat sein Frauenteam im Mai 2011 gegründet. Die aktive Fanszene, die "FreundInnen der Friedhofstribüne", macht sich seit vielen Jahren unter anderem gegen Sexismus und für Gleichberechtigung stark. Das Frauenteam des FC St. Pauli hat sich bereits Anfang der 90er Jahre formiert. Auch in Deutschland, wo die Bundesligastadien bei Spielen der Männerteams in der Regel voll sind, kommen durchschnittlich nur 800 Zuschauer zu den Spielen der Frauen.

Bei St. Pauli, das ebenso in der dritten Liga spielt, sind es rund 150 Fans pro Heimspiel. Die Heimspiele des Männerteams von St. Pauli in der zweiten Bundesliga sind hingegen mit 30.000 Zuschauern fast immer ausverkauft. Die Begegnung gegen den WSC ist deshalb auch für die Spielerinnen aus Hamburg außergewöhnlich. "Das wird ein schöner und versöhnlicher Saisonabschluss", sagt St.-Pauli-Teammanagerin Wibke Herzog zur "Wiener Zeitung". Ihr Team hat am letzten Spieltag den Klassenerhalt geschafft. "Die Vorfreude ist jetzt riesig. Die Kulisse wird auch für uns eine Premiere sein", sagt Herzog. "Wir wollen ein gutes Spiel abliefern und damit Werbung für den Frauenfußball machen." Anpfiff ist am Samstag um 16.30 Uhr. Karten gibt es unter anderem online bei oeticket.com.

Hetterich hofft noch auf viele weitere Fans, die beim Rekordversuch in Hernals dabei sein wollen. "In Zukunft machen wir so ein Spiel ein Mal im Jahr. Aber immer mit dem Fokus darauf, dass es sportlich Sinn macht", sagt Hetterich. Denn bei aller Pionierarbeit geht es auch ihm um den sportlichen Wettkampf. "Abschießen lassen wollen wir uns nicht."