Szombathely. Um die Zeitspanne zu ermessen, die Gábor Király aktiv war und damit die Bedeutung, die er für den Fußball in seiner Heimat Ungarn hatte, braucht man sich nur die Begegnungen mit Österreichs Kickern vor Augen zu führen: In seinem ersten Länderspiel 1998 hielt er einen Elfmeter von Toni Polster, 2006 einen von Sanel Kuljic; beide haben ihre Karrieren längst beendet.

Für Király sollte es hingegen noch weitere zehn Jahre dauern, ehe er den Höhepunkt seiner Nationalteamkarriere erlebte: Bei der Europameisterschaft 2016 stand er unter anderem im ersten Gruppenspiel gegen Österreich im Tor - das 2:0 Ungarns war der Anfang vom Ende der Träume der Österreicher, während der Fußball im Nachbarland mit dem Achtelfinaleinzug und dem mit 40 Jahren ältesten Teilnehmer der EM-Geschichte so etwas wie einen kleinen Boom erlebte.

Danach trat Király zwar aus der Nationalmannschaft zurück, für seinen Jugendverein Haladás Szombathely stand er aber bis zuletzt noch zwischen den Pfosten - standesgemäß in einer jener grauen Jogginghosen, die ihn seit Beginn seiner Laufbahn begleitet hatten. Am Donnerstag hängte er diese buchstäblich an den Nagel, eine Botschaft mit einem entsprechenden Video postete er auf Social Media - und schrieb dazu: "Ich bedanke mich beim Fußball, der mir alles beigebracht hat und mich zu einem besseren Menschen gemacht hat." Von der Bühne des Fußballs trete er nun ab, "um zu sehen, wie das Leben hinter den Kulissen ist", wie er schrieb.

Damit ist mit 43 Jahren und nach 882 Spielen - davon als Rekordspieler 108 im ungarischen Teamdress - nun endgültig Schluss für den einstigen Weltenbummler, der sowohl bei den Fans von Hertha BSC als Torhüter der Jahrhundertelf als auch bei jenen von 1860 München und Crystal Palace heute noch größtes Ansehen und Kultstatus genießt.

Das liegt freilich nicht nur an seinen Leistungen und dem Schlabberlook, der für ihn laut eigenen Aussagen als Glücksbringer fungierte. Vielmehr wird dieser als äußeres Zeichen innerer Bodenständigkeit wahrgenommen, für die Király bekannt ist. Denn obwohl er von vielen "der König" genannt wird - die Übersetzung seines Namens -, gilt er als bescheiden und demütig.

Als etwa Österreichs Teamspieler Gyuri Garics wenige Tage vor dem EM-Aufeinandertreffen 2016 seinen Vater verlor, schrieb Király an ihn: "Er wird dir von oben die Daumen drücken." Király musste es wissen - schließlich hatte er in Szombathely, dort, wo Anfang der Neunziger alles begonnen hatte, auch mit Garics senior zusammengespielt.