Baku. (art) Freilich, es war Jammern auf hohem Niveau. Doch lange hatte der englische Fußball darunter gelitten, dass die Erfolge auf internationaler Ebene, sowohl im Klub- als auch im Nationalmannschaftsbereich, nicht mit den monetären Entwicklungen in der Premier League Schritt halten konnten. Schließlich gilt England seit Mitte der Millenniumsjahre, als ausländische Investoren den britischen Fußball als willkommene Spielwiese entdeckt und die TV-Einnahmen ihren Flug in schwindlige Höhen begonnen haben, die Klubs zudem aus Tradition heraus einen Wettbewerbsvorteil in Sachen internationaler Markenbildung hatten, als Insel der Seligen, auf der Milch, Honig und Milliarden fließen.

Doch ausgerechnet in diesem Jahr, in dem das Vereinigte Königreich wie ein verfahrener Karren einen wie immer gearteten Ausweg aus der EU sucht und dabei immer tiefer im (politischen) Chaos zu versinken droht, erlebt Englands Fußball gleich zwei in dieser Form nicht einmal unter den verbliebenen kühnsten Optimisten erwartete Sternstunden: Nach dem rein englischen Finale in der Europa League am Mittwochabend, das Chelsea im fernen Baku mit 4:1 gegen Arsenal für sich entschied, werden die Augen jetzt schon nach Madrid gerichtet, wo sich am Samstag mit Liverpool und Tottenham ebenfalls zwei Premier-League-Mannschaften im Kampf um den Titel in der Champions League gegenüberstehen. Eine solche Konstellation - nämlich dass alle vier Finalisten der beiden Bewerbe zusammengerechnet aus einem Land kommen - hat es seit Bestehen der Champions- respektive Europa League noch nie gegeben.

Petr Cech musste zum Abschied eine bittere Niederlage gegen seinen Ex-Klub hinnehmen. - © APAWeb / afp
Petr Cech musste zum Abschied eine bittere Niederlage gegen seinen Ex-Klub hinnehmen. - © APAWeb / afp

Hazard wohl zu Real

Am Donnerstag aber gehörten die Schlagzeilen auf der Insel Chelsea, das sich in einer intensiven Partie gegen ambitionierte, aber im Endeffekt wirkungslose Gunners mit 4:1 durchgesetzt hat. Zwei kleine Wermutstropfen waren freilich dabei: Zum einen hatten auch Fans der Blues Mitleid mit ihrem Ex-Tormann Petr Cech, dessen Karriere nun bei Arsenal mit einer bitteren Niederlage endete; zum anderen verdankte man den ersten internationalen Triumph seit dem Europa-League-Sieg 2013 vor allem einem Belgier, der auf dem Absprungbrett schon relativ weit vorne steht: Eden Hazard, über dessen Wechsel zu Real Madrid schon seit Wochen spekuliert wird, bestätigte diesen in den Minuten des Triumphs, bei dem er zwei Tore und einen Assist geliefert hatte, nur mäßig verblümt. Er stehe vor einer "neuen Herausforderung", sagte der 28-Jährige. "Ich habe meine Entscheidung getroffen. Jetzt warten wir darauf, was die beiden Klubs machen. Ich denke, es ist ein Good Bye."

Hazard war 2012 für rund 35 Millionen Euro von Lille an die Stamford Bridge gekommen, nun soll er - das will zumindest das Boulevard-Blatt "The Sun" wissen - für rund 130 Millionen Euro Ablöse und ein Jahresgehalt von 23,4 Millionen Euro zu den Königlichen wechseln. Diese erhoffen sich, mit dem Stürmer die Lücke zu füllen, die nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo zu Juventus nur mittelgut geschlossen werden konnte. Schließlich will auch Real, diesmal schon im Champions-League-Achtelfinale ausgeschieden, im kommenden Jahr wieder eine bedeutendere Rolle spielen. Vorerst aber sind es die Engländer, die feiern dürfen.