- © apa/expa/Johann Groder
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Innsbruck. Die Bundesliga-Saison ist geschlagen. Sie brachte einen neuen Modus - und am Ende den Abstieg des Aufsteigers. Obwohl sich Wacker Innsbruck nur ein Jahr in der Liga halten konnte und nun vor essenziellen Problemen steht, sieht Vereinspräsident Gerhard Stocker im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" keinen Grund zur Verzweiflung. Für den 67-Jährigen beinhaltet der Abstieg sogar eine "große Chance", wie er erklärt. Stocker spricht über die Last des Müssens, "absurde Vorwürfe" und die neue Positionierung von Wacker. Außerdem klärt er über die Verwirrung rund um sein Amt als Aufsichtsratschef der Bundesliga auf.

"Wiener Zeitung": Ihr Verein steigt zum vierten Mal innerhalb von 17 Jahren ab. Wie geht es Ihnen dabei?

Gerhard Stocker: Ich sehe in der Situation eine große Chance. In der Bundesliga gibt’s jetzt Wattens, das die Spitzenposition übernehmen muss. Wir hatten in der Vergangenheit immer den Nimbus des Müssens. Jetzt können wir auch einmal sagen: "Wacker muss nicht mehr, Wacker kann." Wir haben unter unzumutbaren Rahmenbedingungen gearbeitet. Jetzt kann man wieder irgendwie weiterwursteln - oder man baut endlich eine nachhaltige Struktur auf.

Auch die zweite Mannschaft ist vom Abstieg betroffen, da sie nun in die vierte Liga zurückgereiht wird.

Das tut richtig weh, weil es um die Durchgängigkeit für Talente geht. Was sind wir dafür gescholten worden, mit der zweiten Mannschaft in die zweite Liga zu gehen. Aber wir haben gezeigt, wie es gehen würde. Es gibt genügend Talente. Mit den Aufstiegen und Erfolgen der zweiten Mannschaft und der Nachwuchsauswahlen hätte ich erwartet, dass unser Weg erkannt und honoriert wird. Dann könnte man etwas aufbauen. Aber dazu müsste man aufhören, immer nur oben hinzuschauen.

Seit Jahren wird die fehlende Unterstützung von Tiroler Politik und Wirtschaft angeprangert. Warum ist das so?

Selbst Top-Entscheidungsträger aus Tirol sagen: "Der Verein gehört aufgelöst." Das kann ich nur schmunzelnd zur Kenntnis nehmen. Wacker werden Altlasten umgehängt, für die der Verein gar nichts kann. Dem Verein wird zum Beispiel öffentlich vorgeworfen, dass der Masseverwalter vom Konkurs des FC Tirol 2002 Haftungsansprüche an den damaligen Mäzen Gernot Langes stellt. Als ob wir damit irgendetwas zu tun hätten! Da komme ich nicht mehr mit. Aber vielleicht ist der Tiroler lieber Opfer als Täter. Ich bin das jedenfalls nicht. Resignieren ist keine Option.

Sie sagten, der Verein müsse nun eventuell neu positioniert werden. Steht damit das Ende des Profifußballs bei Wacker im Raum?