Porto. Für einen, der praktisch alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, und zudem etliche Rekordlisten anführt, würde sich ein Kreis schließen: Vor fast genau 15 Jahren war Cristiano Ronaldo noch eine blutjunge Nachwuchshoffnung, die mit der alten Garde der goldenen Generation in die Schlacht um den Gewinn der Heim-Europameisterschaft 2004 geworfen wurde - um am Ende in Tränen aufgelöst die 0:1-Finalniederlage gegen Griechenland bejammern zu müssen.

Ein Titelgewinn mit der Nationalmannschaft in der Heimat - diese Chance würde sich selbst für einen 19-Jährigen in seinem Fußballerleben wohl nicht mehr bieten. Dachte man damals. Doch im Finish der Weltstarkarriere des zur globalen Marke gewordenen CR7 eröffnet sich plötzlich mit der neuen Uefa-Nations-League doch noch die Möglichkeit für Ronaldo und Co., einen Pokal in den portugiesischen Nachthimmel zu recken, da der amtierende Europameister als Sieger der Gruppe A3 automatisch zum Gastgeber des ersten Finalturniers wurde. Dieses startet am Mittwoch in Porto mit dem ersten Semifinale zwischen Portugal und der Schweiz, am Donnerstag folgt in Guimarães das Duell zwischen den Niederlanden und England (beide 20.45 Uhr/Dazn).

Auch wenn viele Experten ob des neuen Bewerbs samt zusätzlichen Pflichtspielen für die geplagten Kickerbeine Kritik übten, rein sportlich war die Nations League im vergangenen Herbst ein großer Erfolg: Vor allem in den vier Dreiergruppen der obersten Kategorie gab es packende Duelle, spannende Aufholjagden und viele, viele Tore: Deren 72 in 24 Spielen ergab einen Torschnitt von exakt drei pro Match. Und für die vier Finalturnier-Teilnehmer - allesamt keine großen Pokalesammler - ergibt sich plötzlich die Chance auf die nunmehr zweitwichtigste Trophäe im europäischen Nationenfußball. Das noch fehlende Prestige dieses Cups (wiewohl ihn die Fifa bereits nachmachen will) wird mit vielen Millionen wettgemacht: Der Premieren-Sieger erhöht sein Gesamt-Preisgeld um 6 auf 10,5 Millionen Euro. Daher lässt auch keiner der Stars das Mini-Turnier zum Saisonschluss links liegen. Bei den Portugiesen ist Ronaldo nach einer Schaffenspause im Vorjahr selbstredend wieder mit dabei, die Niederländer kommen mit den Jungstars Frenkie de Jong und Matthijs de Ligt. Englands Three Lions bauen auf die Akteure der Champions-League-Finalisten Liverpool und Tottenham und träumen natürlich vom ersten Titel seit 1966. Und die Eidgenossen vertrauen auf die England-Legionäre Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. "Eine schöne Trophäe, die in unserem Land ausgespielt wird", meinte Ronaldo zuletzt über die Bedeutung der 71Zentimeter hohe Trophäe aus Sterlingsilber, die er als Kapitän der Seleção am Sonntagabend in Empfang nehmen möchte.

Last-Minute-EM-Tickets

Der Turniersieger erhält jedoch kein Fixticket für die Kontinental-EM 2020, deren Qualifikation in den nächsten Tagen fortgesetzt wird. Hierfür gibt es im März 2020 in jeder der vier Nationenligen eigene Play-off-Matches um die vier letzten Startplätze. Österreich, das am Freitag (20.45 Uhr) in Klagenfurt Slowenien empfängt, hätte als Gruppenzweiter der B-Liga gute Chancen auf die Teilnahme an einem solchen Viererturnier, sollte die EM-Qualifikation nach dem verpatzten Start misslingen. Denn anzunehmen ist, dass einige vorgereihte Teams aus der A- und B-Liga ein reguläres Euro-Ticket lösen werden.