Stockholm/Paris. Der Kongress des Weltfußballverbandes Fifa in Paris, bei der eigentlich die Wiederwahl von Präsident Gianni Infantino als Höhepunkt auf dem Programm stehen sollte, begann am Mittwochfrüh mit einer traurigen Nachricht: Wie der schwedische Verband bekannt gab, ist Lennart Johansson, früher Chef des Kontinentalverbandes Uefa und Vizepräsident der Fifa, am Dienstagabend nach kurzer Krankheit gestorben. Nach einer entsprechenden Ehrung ging die Fifa in Paris zur Tagesordnung über und wählte Infantino für eine zweite Amtszeit bis 2023.

Johansson wurde 89 Jahre alt. Schwedens Verband würdigte Johansson als den größten Anführer des nationalen Fußballs überhaupt. Der Schwede war von 1990 bis 2007 Uefa-Präsident. 1998 unterlag er gegen Joseph Blatter bei der Wahl zum Fifa-Präsidenten. 2007 verlor Johansson die Kampfabstimmung gegen Michel Platini um den Uefa-Chefposten. Obwohl er diese Abstimmungen verloren hatte - vor allem bei ersterer sind die Umstände nach wie vor nicht ganz klar -, galt Johansson als äußerst populär, nicht nur, aber freilich vor allem in seiner Heimat. Dort ist auch der Pokal nach ihm benannt, den der Meister der ersten Liga Allsvenskan erhält.

Gianni Infantino wird die Geschicke des Fußballs weiter lenken. - © APAWeb / afp, Franck Fife
Gianni Infantino wird die Geschicke des Fußballs weiter lenken. - © APAWeb / afp, Franck Fife

Wiederwahl per Akklamation

Die Wiederwahl Infantinos indessen war am Mittwoch ein Formalakt. Schon am Dienstag war dieser nichts mehr im Weg gestanden, nachdem die Mitglieder aller Konföderationen sich für den Italo-Schweizer ausgesprochen hatten, der in Paris ohnehin keinen Gegenkandidaten hatte.

Trotz der Einhelligkeit war schon seine erste Amtszeit nicht frei von Kontroversen. Von den großen Reformen, die der nunmehr 49-Jährige angekündigt hatte, blieb nicht viel übrig, stattdessen gab es Kritik, weil er sich unliebsamer Gegner in bester Tradition Blatters zu entledigen vermochte und Pläne schmiedete, Rechte an Großereignissen an ein britisch-arabisches Konsortium mit Geldgebern in Saudi-Arabien zu verschachern. Ein bisheriges Erbe Infantinos ist indessen die Aufstockung der WM ab 2026 auf 48 Teams. Mit der Idee, diese auf 2022 vorzuziehen, war er aber an realpolitischen Gegebenheiten gescheitert.