Porto. Die Teams im Final Four der Nations League bereiten sich seit Freitag auf den Showdown am Sonntag vor. Neben der Schweiz und England (Spiel um Platz drei, 15 Uhr) ringen die Finalisten Niederlande und Portugal in Porto um den ersten Titel (20.45 Uhr). Am späten Donnerstagabend hatte die Mannschaft von Ronald Koeman mit einem 3:1 nach Verlängerung gegen die Schweiz erneut den Eindruck bestätigt, dass mit Oranje wieder zu rechnen ist. Für Cristiano Ronaldo wird das Finale trotz heimischer Kulisse kein Spaziergang.

Jedenfalls sollte man sich nicht von der Statistik täuschen lassen. Nun trifft es zwar zu, dass Portugal 2016 die EM-Trophäe holte sowie die Niederlande seit dem Gewinn der EM 1988 auf einen internationalen Titel warten. Auch sahen die stolzen Holländer die EM und WM zuletzt nur vor dem TV-Schirm. Allerdings ist nun vieles auch anders: Hatten Weltmeister Frankreich und Deutschland in der Gruppenphase der Nations League die Oranjes nicht bremsen können, so mussten auch die Engländer vor der Koeman-Truppe kapitulieren. Den Treffern zum 1:2 und 1:3 gingen zwar kapitale Eigenfehler der Briten voraus, dennoch war der Finaleinzug der Niederländer nicht unverdient. Ajax-Jungstar Matthijs de Ligt ermöglichte England mit einem Fauxpas zwar die Führung vom Elferpunkt durch Marcus Rashford (32. Minute), dafür bügelte dies der Verteidiger mit dem Ausgleich (73.) wieder aus. Für England ging damit aber das vierte Halbfinale bei einem wichtigen Turnier in Folge verloren. Bei den WM-Endrunden 1990 und 2018 sowie bei der EM 1996 waren die Three Lions ebenfalls in der Vorschlussrunde unterlegen. Als Trost bleibt nun am Samstag nur das Spiel um Platz drei gegen die Schweiz.
Manager Gareth Southgate sah in erster Linie Müdigkeit und eine fehlende Matchschärfe als Gründe für die Niederlage. Die aufgrund der zwei Gegentreffer in der Verlängerung aufgebrandete Kritik, seine Spieler hätten zu großes Risiko im Spielaufbau eingegangen, prallte ab. "Wir haben nicht verloren, weil wir so spielen wollen. Wenn wir es nicht täten, wären wir nicht hier", betonte Southgate. Sein junges Team habe wieder viel gelernt. "Die Leute sind enttäuscht, aber wir müssen das große Bild im Auge haben", monierte Southgate.

Dem Duell mit Ronaldo mit guten Erinnerungen entgegenblicken dürfen vor allem die Ajax-Spieler. Immerhin warfen De Ligt und Co. im Viertelfinale der Champions League Juventus aus dem Bewerb. Sehr zum Ärger des Portugiesen.

Da nimmt es auch nicht Wunder, dass die orangen Ambitionen, die Nations League zu gewinnen, groß sind. Dass der Bewerb weniger ruhmreich als eine WM oder EM ist, ist für Kapitän Virgil van Dijk unbedeutend. "Jeder kann es sehen, wie er es mag. Aber es gibt einen Pokal zu gewinnen", meinte der Verteidiger von Champions-League-Sieger Liverpool. Ähnlich äußerte sich Bondscoach Koeman: "Wir werden nicht Halt machen", sagte der 56-Jährige. "Wir haben Deutschland, Frankreich und jetzt die Nummer vier der Welt geschlagen. Das spiegelt unsere Entwicklung wider." (apa)