Hartberg. (art/apa) Das steirische Hartberg ist gemeinhin international nicht als bester Boden ballestrischer Finesse bekannt. Doch hier, wo der ortsansässige Fußballklub in den vergangenen Monaten gegen den Abstieg aus der tipico-Bundesliga spielte, ist am Dienstagabend die Haute-Volée des europäischen Nachwuchs-Fußballs zu Gast. Bei der Generalprobe für die am Sonntag in Italien beginnende U21-EM, für die sich Österreichs Mannschaft erstmals qualifiziert hat, empfangen die Kicker von Werner Gregoritsch die französischen Altersgenossen (18.45 Uhr).

Es ist ein Flair großer Fußball-Welt, das bei diesem Anlass über die steirische Provinz wehen wird. Den roten Teppich will man den Franzosen freilich nicht ausbreiten, immerhin will sich Österreich vor dem Turnierhöhepunkt auch gegen die Weltbesten in EM-Form präsentieren, um für die Gruppenspiele gegen Serbien, Dänemark und Deutschland gerüstet zu sein.

Das Unterfangen könnte schwieriger allerdings kaum sein. Im EM-Kader der Franzosen stehen mit Leipzigs Innenverteidiger Ibrahima Konate und Lyons Mittelfeldspieler Houssem Aouar zwei Akteure mit einem Marktwert von 45 Millionen Euro. Leipzigs Ex-Salzburg-Innenverteidiger Dayot Upamecano und Arsenal-Mittelfeldspieler Matteo Guendouzi (jeweils 30 Millionen) werden ebenfalls im Dress von Les Bleus zu sehen sein. Ein bekannter Name ist auch Stürmer Moussa Dembélé (27 Millionen), der bei Lyon sein Geld verdient und vergangene Saison in der Ligue 1 in 33 Spielen 15 Mal getroffen hat. "Da sind ein paar Spieler dabei, da werden uns die Augen rausfallen. Auf uns wartet eine wahnsinnige Herausforderung", weiß Gregoritsch. Goalie Alexander Schlager war schon Tage davor voller Vorfreude: "Das wird ein Riesenhighlight, weil da einfach Spieler dabei sind, die in irrsinnig guten Ligen gut unterwegs sind. Auf uns wartet ein Super-Gegner mit hoher Qualität."

Für Gregoritsch sind die Franzosen über EM-Auftaktgegner Serbien zu stellen. "Du kannst die beiden Teams nicht vergleichen. Bei beiden ist technisch von der Qualität sehr viel da. Während die Serben sehr verspielt sind, ist bei den Franzosen schon eine Struktur da, sie versuchen immer über das Eins gegen Eins ins Dribbling zu kommen", sagt der Steirer.

Weiterentwicklung nur durch "Spiele gegen die Besten"

Frankreich ist der dritte hochkarätige ÖFB-Gegner im Jahr 2019 auf dem Weg zur ersten U21-EM-Teilnahme der Verbandsgeschichte. "Du musst gegen die Besten spielen, um dich weiterzuentwickeln", betont Gregoritsch. Am 21. März erkämpfte man in Triest gegen Italien ein 0:0, vier Tage später gab es in Algeciras gegen Spanien ein 0:3. "Das Spiel war unglaublich, ich habe nur 20 Minuten gespielt, aber das Gefühl gehabt, dass ich noch nie so viel gelaufen bin", sagt Stürmer Sasa Kalajdzic. Nur gegen solche Gegner sei eine gute Vorbereitung gewährleistet. "Es ist wichtig zu wissen, was auf einen bei der EM zukommt", meint der Noch-Admira-Stürmer.

All zu viel Aussagekraft hat der Test aber auch wieder nicht, wenn man bedenkt, dass mit Philipp Lienhart und Stefan Posch zwei Viertel der Abwehr und mit Mittelfeld-Turbo Xaver Schlager drei wichtige Akteure fehlen. Das Trio stand am Montagabend noch im Kader des ÖFB-A-Teams in der EM-Qualifikation in Nordmazedonien  und wird erst am Freitag zur U21 stoßen. "Es ist nicht das erste Mal, dass uns wichtige Spieler fehlen. Wir haben schon in der Vergangenheit bewiesen, dass wir unseren Job trotzdem gut erledigen können", sagt Alexander Schlager.

Ein gutes Resultat könnte der ÖFB-Truppe im Finale der Vorbereitung noch einmal Flügel verleihen. "Ich glaube, dass jeder mit einem guten Gefühl und Selbstvertrauen zur EM fahren will. Wenn du jetzt eine 0:5-Packung kriegst, glaube ich, dass vielleicht der eine oder andere zum Nachdenken anfängt", meint Kalajdzic. Das Duell mit einem "absoluten Topfavoriten" für den EM-Titel sei daher schon "wichtig".

Diese Meinung vertritt zwar auch Gregoritsch, das Ergebnis will er aber nicht zu hoch ansiedeln. "Du kannst gegen Frankreich gewinnen und bei der EM dann alle Spiele verlieren, und du kannst gegen Frankreich verlieren, weil die vielleicht weiter sind. Das zählt alles nicht, es sind Aufbauspiele, es ist Makulatur", meint der ÖFB-Coach. Für ihn ist es vor allem wichtig, weiteren Aufschluss über sein Team zu bekommen. "Man kann sehr viele Dinge sehen, auch wo man im Vergleich zu den Topteams steht", sagt Gregoritsch. Eines ist allerdings klar: Ein Bestschießen wie beim 10:2 im jüngsten Test gegen eine Südburgenland-Auswahl wird es diesmal eher nicht spielen. Geschenke will man dem illustren Gegner aber auch keine unterbreiten.