Rio de Janeiro. Fußball rund um die Uhr, Fußball rund um den Globus: Während die kickenden Damen seit Freitag in Frankreich ihren neuen Weltmeister suchen, die U20-WM in Polen in die Zielgerade einbiegt (Finale am Samstag: Ukraine-Südkorea) und Österreichs U21-Helden dem Premierenauftritt bei der EM in Italien entgegenfiebern (ab Sonntag), steht auch am anderen Ende der Welt ein bedeutendes Kontinental-Kräftemessen auf dem Programm: die 45. Auflage der Südamerika-Meisterschaft, besser bekannt als Copa América. Gut drei Wochen lang kämpfen die traditionell zehn Mannschaften aus Südamerika sowie die Gastteams Japan und Katar im Land des Rekordweltmeisters Brasilien um die Trophäe des (nach Olympia) zweitältesten Fußballturniers für Nationalteams.

Doch die ungewöhnlichen Gäste werden wohl eher nicht dem Turnier ihren Stempel aufdrücken - vielmehr rückt wieder einmal ein gewisser Lionel Messi in den Fokus der Copa. Und damit die Frage, die ganz Argentinien schon seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt (und quält). Kann der größte Fußballsohn Argentiniens der Nation endlich einen Titel schenken, wie es weiland Diego Maradona mit dem WM-Triumph 1986 gelungen ist? La Pulga hingegen, kaum tauscht er das Leiberl der Blaugrana (unter anderem vier Champions-League-Titel mit Barcelona) mit jenem himmelblau-weißen der Nationalelf, scheint wie vom Pech verfolgt. Lediglich der U20-WM-Titel 2005 und Olympia-Gold 2008 stehen auf der Habenseite mit Argentinien - ein mickriger Erfolg für einen erfolgsverwöhnten Mann mit solchen Fähigkeiten. Stattdessen setzte es über die Jahre jede Mengen Pleiten, Pech und Finalenttäuschungen: Die bitterste erlebte Messi nach der WM-Endspielniederlage gegen Deutschland 2014 wohl bei der bisher letzten Auflage der Copa in den USA, als er seinen Penalty im finalen Elfmeterkrimi gegen Chile verschoss und wieder wie ein geprügelter Hund vom Platz schlich.

Gleich danach folgte im Juni 2016 der Rücktritt im Frust von der Albiceleste, dem vor der WM 2018 in Russland der Rücktritt vom Rücktritt erfolgte - ehe wieder eine Schaffenspause einsetzte, die erst heuer im Frühjahr und noch rechtzeitig vor der Copa beendet wurde. Klar ist, dass dem bald 32-jährigen Superstar langsam die Zeit davonläuft - und was Schöneres gäbe es, als im Maracanã, dem Nationalheiligtum des Erzfeindes, die Copa in die Höhe stemmen zu dürfen? Just an jenem Ort, an dem er sich im WM-Finale als Verlierer den goldenen Ball als bester Spieler des Turniers abholen musste.

Messi selbst ließ jüngst bereits anklingen, dass er 2022 womöglich nicht mehr für sein Land spielen werde. "Ich weiß nicht, ob ich es zur WM nach Katar schaffen werde", meinte er in einem Interview mit dem argentinischen Sender Fox Sports. Umso mehr zählt heuer die Copa: "Ich will meine Karriere beenden, mit dem Nationalteam etwas gewonnen zu haben oder es zumindest so oft wie möglich versucht zu haben", sagte der Argentinier.

In der Vorbereitung zeigte sich der verjüngte zweimalige Weltmeister, der nunmehr von Lionel Scaloni - wie Messi aus Rosario - gecoacht wird, in Spiellaune: Ohne den zurückgetretenen Gonzalo Higuaín wurde Nicaragua mit 5:1 vom Platz geschossen, wobei Messi per Doppelpack traf.

Doch auch der Gastgeber steht vor der Heim-WM gehörig unter Siegzwang: Die Brasilianer, die das Turnier am Freitag in São Paulo gegen Bolivien eröffnen, müssen auf ihren offensiven Dauerpatienten Neymar (Knöchelverletzung) verzichten. Auch ohne den PSG-Star schoss sich die Seleção mit vielen Toren für die Copa warm - Honduras wurde in Porto Alegre mit 7:0 geschlagen.

Die Matches werden zu durchwegs nachtschlafender Zeit live auf Dazn übertragen - dann, wenn in Europa der Ball ruht.