Udine/Wien. (rel) BSFZ-Arena anstatt Prinzenpark, Maria Enzersdorf anstatt Frankreich. Während sich die Elite des Frauen-Fußballs bei der WM im Land des 2018 gekürten Herren-Weltmeisters mit den Besten der Besten misst, müssen Österreichs Teamspielerinnen aktuell mit kleineren Kalibern vorliebnehmen. Am Montag treffen Manuela Zinsberger, Viktoria Schnaderbeck und Co. südlich von Wien auf die Slowakei (20.30 Uhr). Das Testspiel allein wäre an sich keine Sensation, wenn da nicht ein Umstand neu wäre: Die ÖFB-Elf startet erstmals seit vielen Jahren ohne Abwehrchefin Nina Burger, die sich ja bereits im April in die Profi-Pension verabschiedet hat und mit insgesamt 109 Länderspielen und 53 Toren Rekordhalterin Österreichs ist. Mit der Bilanz übertrifft sie die männlichen Rekordspieler Andreas Herzog (103 Spiele) und Toni Polster (44 Tore).

Dass die Österreicherinnen die Teilnahme an der WM knapp verpasst haben, hat freilich im Kader für Emotionen gesorgt. Dafür gab es nun vonseiten des U21-Herren- Teams, das am Montag zum Auftakt der U21-EM in Triest auf Serbien trifft (18.30 Uhr), sehr lobende Worte. Demnach wollen die Männer bei dem Turnier ihre Kolleginnen als Vorbild nehmen und ebenso überraschen wie die Damen, die 2017 bei der EM in den Niederlanden bis ins Halbfinale vorstießen. Anbetracht der Tatsache, dass die Unter-21-Jährigen bisher noch nie Endrundenluft geschnuppert haben, ist das freilich eine gewagte Ansage, aber auch nicht gänzlich unmöglich. Immerhin waren auch die Frauen damals als Neulinge in die EM eingestiegen und konnten dennoch in den Niederlanden für Furore sorgen.

Für die U21, die erst am Dienstag in einem Testspiel die starken Franzosen bezwungen hat, hätte ein Durchmarsch durch die Gruppenphase, so wie das die Damen 2017 vorgezeigt hatten, freilich einigen Charme. Damals hatte sich das Team mit einem 1:0 gegen die Schweiz, 1:1 gegen Frankreich sowie 3:0 gegen Island als Gruppensiegerin für das Viertelfinale qualifiziert. Dort wurde noch Spanien (5:3 im Elfmeterschießen) ausgeschaltet, ehe erst im Ringen um den Finaleinzug gegen Dänemark (0:3 im Elfmeterschießen) Endstation war. "Wie sie ihr Spiel betrieben haben, war toll, sie haben die Möglichkeiten voll ausgeschöpft und waren im taktischen Bereich sehr diszipliniert", sagte U21-Trainer Werner Gregoritsch. "Sie sind nie in das offene Messer gelaufen, waren sehr geduldig und sehr clever." Dem Coach imponiert auch, dass Torhüterin Zinsberger im gesamten Turnierverlauf nur einziges Mal hinter sich greifen musste. "Davon kannst du mitnehmen, dass du, wenn du eine gute Defensive hast, viel erreichen kannst", sagte der 61-Jährige. Das hat auch schon sein Team 2018 ausgezeichnet. In sieben Partien setzte es lediglich drei Gegentore, im Play-off zur EM-Qualifikation in zwei Duellen mit Griechenland keines.

Aber nicht nur aus sportlicher Sicht können sich Goalie Alexander Schlager und Co. an den ÖFB-Frauen ein Beispiel nehmen. "Wie die Spielerinnen miteinander umgegangen sind, mit welcher Freude sie die Erfolgserlebnisse gefeiert haben, da hat es niemand gegeben, der nicht im Boot war. Die Begeisterung der Frauen für die Sache, das war schon etwas Spezielles und hat mir imponiert", ergänzte Gregoritsch.

Damen siegten im letzten Test

Die Initialzündung 2017 war vor allem der gelungene Auftakt, deswegen hoffen auch die U21 auf einen Auftakterfolg gegen Serbien. Hinzu kommt: Die ÖFB-Frauen gewannen damals ihre Generalprobe vor der EM 2017 zu Hause 4:2 gegen das weit höher eingeschätzte Dänemark. Das letzte Testspiel der U21-Kicker vor der EM gegen Frankreich endete 3:1. Wenn das kein gutes Omen ist? In Maria Enzersdorf wird man den Herren jedenfalls die Daumen halten.