Paris. Die französische Polizei hat den für alle Fußballaktivitäten gesperrten früheren Uefa-Präsidenten Michel Platini laut einem Bericht aus dem Gewahrsam entlassen. Platini sei nach mehrstündiger Vernehmung zu den Umständen der Vergabe der Fußball-WM 2022 nach Katar wieder auf freien Fuß gesetzt worden, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP in der Nacht auf Mittwoch.

Sie zitierte Platinis Anwalt William Bourdon mit den Worten, letztlich sei "viel, viel Lärm um nichts" gemacht worden. Französischen Medien zufolge geht es bei den seit 2016 laufenden Ermittlungen zur umstrittenen WM-Vergabe nach Katar unter anderem um Bestechungsverdacht. Im Fall Platinis interessieren sich die Ermittler laut der üblicherweise gut informierten Online-Plattform "Mediapart" für dessen Treffen im Élyséepalast am 23. November 2010 mit dem damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und dem heutigem Emir von Katar, Tamim bin Hamad. Kurz danach waren am 2. Dezember 2010 die WM-Turniere 2018 an Russland und 2022 an Katar vergeben worden.

Seitdem halten sich massive Anschuldigungen zu unlauteren Machenschaften bis hin zu Korruptionsvorwürfen gegen die Gastgeberländer und mehrere frühere Fifa-Funktionäre. Platini unterstützte damals öffentlich Katar.

Schon 2015 hatte der damalige Fifa-Präsident Joseph Blatter von einer Absprache über die Stimmenvergabe gesprochen und das Treffen im Élyséepalast erwähnt. Danach habe sich das Stimmenverhältnis zwischen Katar und den USA zugunsten des Emirats geändert.

Platini wies die Vorwürfe am Dienstag zurück. Er habe sich "nichts vorzuwerfen" und sei auch nicht verhaftet worden, ließ der 63-Jährige über seinen Berater mitteilen. Platini habe alle Fragen beantwortet und sei "absolut zuversichtlich, was den Rest betrifft", hieß es weiter.

 Adidas sieht keinen Handlungsbedarf

Der Sportartikelhersteller Adidas hatte nach der Festnahme Platinis zunächst keinen Handlungsbedarf bei Sponsoringverträgen ausgemacht. "Wir haben eine sehr klare Meinung: Wenn bei einem Verband ein Rechtsbruch stattfindet, werden wir uns damit auseinandersetzen", sagte Adidas-Chef Kasper Rorsted in einem Gespräch mit der Tageszeitung "Die Welt" (Mittwoch). Adidas gehört zu den Hauptsponsoren des Weltverbandes Fifa, der europäischen Fußball-Union Uefa sowie von WM- und EM-Turnieren.

"Bisher gab es keinen formalen Grund, eine Beendigung des Vertrages voranzutreiben", betonte Rorsted. Zunächst müsse ein Gericht feststellen, dass es tatsächlich zu einem Rechtsbruch durch einen Vertreter der Uefa oder Fifa gekommen sei. "Natürlich machen wir uns auch Gedanken um die Reputation, gleichwohl ist Fußball der wichtigste Sport der Welt, und wir müssen als Sportfirma, die im Fußball geboren wurde, einen Weg finden, dort aktiv zu bleiben - nicht um jeden Preis, aber Fußball ist für uns ein enorm wichtiges Aushängeschild", sagte der Adidas-Chef. "Wir haben bei der Fifa und der Uefa in den vergangenen Jahren Fortschritte gesehen." (apa, dpa)