Udine. U21-Teamchef Werner Gregoritsch hat Wort gehalten: Seine Spieler genießen bei der Fußball-EM in Italien abseits des Platzes gewisse Freiheiten. Das war auch schon eines der Erfolgsrezepte der ÖFB-Frauen 2017 auf dem Weg ins EM-Halbfinale. Dort wollen jetzt auch Kapitän Philipp Lienhart und Co. hin - auch wenn die Ausgangsposition nach dem 1:3 gegen Dänemark im zweiten Gruppe-B-Spiel am Donnerstagabend jetzt denkbar schlecht ist. Die Mannschaft von Coach Werner Gregoritsch hält weiter bei drei Punkten, genauso wie die Dänen, während die Deutschen, gegen die das ÖFB-Team am Sonntag antritt, nach einer 6:1-Gala gegen Schlusslicht Serbien mit sechs Punkten plötzlich weit vorne liegen.

Bis zur Niederlage gegen die Dänen war die Stimmung im österreichischen Lager jedenfalls hervorragend. Seit Freitag ist die Auswahl im EM-Quartier in Cormons, nachdem man zuvor vor zwei freien Tagen schon zehn Tage gemeinsam in Bad Tatzmannsdorf verbracht hatte. Das Hotel Albergo Felcaro wurde vor der Ankunft des ÖFB-Teams noch adaptiert: mit neuen Matratzen für die Betten und einem Fitnessstudio mit Technogym-Geräten im Freien. Pool, Sauna und Unterwassermassage hatte das 60-Zimmer-Hotel schon davor zu bieten. "Wir haben alle Möglichkeiten, die wir wollten, bekommen. Es wird uns viel ermöglicht", so Gregoritsch.

Regeneration steht angesichts des dicht gedrängten Programms mit drei Spielen in einer Woche an oberster Stelle. Jeder Kicker hat dabei seine Präferenzen, Gregoritsch achtet darauf, seine Kicker nicht zu sehr einzuschränken: "Wir sind jetzt zweieinhalb Jahre zusammen - und da ist was gewachsen. Es ist nicht so, dass ich den Spielern freie Hand lasse, aber ich gebe ihnen schon in gewisser Weise eine Eigenständigkeit. Das ist wichtig, wenn du Erfolg haben willst."

Handys beim Frühstück tabu

Regeln wurden gemeinsam erarbeitet. "Ein Handy in der Früh beim Frühstück, oder dass einer Zeitung liest, möchte ich zum Beispiel nicht haben", sagt Gregoritsch. Handys einzusammeln kam für ihn aber nie infrage. "Das sind Dinge, die gehen gar nicht." Trotz seiner 61 Jahre ist der langjährige U21-Coach selber in den Sozialen Medien aktiv. "Das hält mich jung. Ich schaue mir auf Instagram an, was meine Spieler so liefern. Wer mit der Zeit geht, dem muss klar sein, dass das eine ganz normale Sache ist und dazugehört, wie auch die Play-Station." Es komme aber natürlich auf das richtige Maß an. Die Spieler sind froh über das Vertrauen. "Es ist wichtig, Freiheiten zu bekommen. Du musst ein Ambiente schaffen, wo die Spieler auch einmal abschalten können", sagte Tormann Alexander Schlager, der gerne Kreuzworträtsel löst oder liest. Andere ziehen sich zurück, um sich auszuruhen, gehen schwimmen, spielen Karten, vor allem UNO, oder nutzen den Billardtisch. "Wir haben hier Ruhe, können gut entspannen und haben viele Möglichkeiten die Freizeit zu gestalten", sagte Ivan Ljubic.

Ein großes Thema ist dabei auch das EM-Turnier. Viele Akteure nutzen die freie Zeit, um via TV Einblicke in die EM-Partien zu bekommen. "Natürlich verfolgen wir die Spiele der anderen Gruppen, teils gemeinsam, teils alleine, wie halt jeder gerade Lust hat", sagte Mathias Honsak. "Man hat gemerkt, dass jede Mannschaft gefährlich ist", meinte Danso. Das gilt nach dem 2:0-Auftakt gegen Serbien hoffentlich auch für die Österreicher bis zum letzten Gruppenmatch - schließlich wartet am Sonntagabend Titelverteidiger Deutschland.