Die Oranje-Damen haben einen rasanten Aufstieg hinter sich: 2015 erstmals bei einer WM dabei, 2017 Europameister, nun Japan im Achtelfinale bezwungen. Lieke Martens (l.) bejubelt ihren Siegtreffer. - © reuters
Die Oranje-Damen haben einen rasanten Aufstieg hinter sich: 2015 erstmals bei einer WM dabei, 2017 Europameister, nun Japan im Achtelfinale bezwungen. Lieke Martens (l.) bejubelt ihren Siegtreffer. - © reuters

Paris. (may/apa) Die europäischen Fußballfrauen wandeln auf den Spuren der kickenden Männer des Kontinents: Vor einem Jahr bei der WM in Russland wurde die Hegemonie der Europäer mit sechs (von acht) Viertelfinalisten sowie allen vier Semifinalisten eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Diesen Rekordwert in der WM-Historie könnten die Frauen in den kommenden Tagen bei ihren Titelkämpfen in Frankreich sogar noch übertrumpfen - denn verlieren die USA als letzter Vertreter der restlichen Welt am Freitag den Viertelfinal-Hit gegen die Grande Nation, wäre diese (Männer-)Bestmarke schon übertroffen.

Dass es nur ein nicht-europäischer Vertreter in die Runde der letzten Acht geschafft hat, ist bereits ein Novum im Frauen-Fußball. Dabei standen in der Vorrunde nur 9 Teams aus dem Uefa-Verband 15 aus den übrigen Konföderationen gegenüber. (Bei den Männern lautet das Verhältnis derzeit 14:18). Lediglich die Schottinnen (Vorrunde) sowie die Spanierinnen (1:2 gegen die USA im Achtelfinale) mussten bereits die Heimreise antreten. Demgegenüber stehen insbesondere Ex-Weltmeister und -Finalist Japan (2011 und 2015), der heuer nicht an frühere Leistungen anschließen konnte und sich am Dienstagabend durch ein unglückliches 1:2 gegen Europameister Niederlande verabschieden musste.

Auch für China, Kanada, Kamerun, Nigeria, Australien und Brasilien war bereits vorzeitig im Achtelfinale Schluss. Japans Nationaltrainerin Asako Takakura haderte zwar mit dem entscheidenden Gegentreffer per Elfmeter in der 90. Minute, gestand aber nach dem Ausscheiden ein, dass die besten Klubs der Welt eben in Übersee beheimatet sind - also in Europa und den USA. "Wir müssen uns weiter verbessern, hart arbeiten und von den europäischen Vereinen lernen", sagte Takakura.

Europas Dominanz bei den Damen kommt freilich alles andere als unerwartet - denn in England, Frankreich und Spanien, aber auch in den Niederlanden und Italien wird seit Jahren massiv in den Frauenfußball und die Talentförderung investiert. Natürlich über den Hebel der etablierten Spitzenklubs aus den großen Ligen. So haben Vereine wie Arsenal, Manchester City, FC Barcelona, Atlético Madrid, Olympique Lyon, Paris Saint-Germain und Bayern München ihre Frauen-Abteilungen mit großem Nachdruck aufgebaut. Ab 2020 wird auch Real Madrid diesen Schritt setzen, wie der erfolgreichste Klub der Welt bereits verkündete. In Österreich sind zumindest die Bundesligaklubs Sturm Graz, die Wiener Austria (mit USC Landhaus), St.Pölten und Wacker Innsbruck mit Frauen-Abteilungen in der obersten Spielklasse vertreten.

Das "Wall Street Journal" stellte bereits zu Beginn der WM fest, dass die US-Dominanz im Frauenfußball - seit 1991 haben die US-Girls drei WM-Titel gewonnen und waren nie schlechter als Dritte - nun zu Ende sei. "In den vier Jahren seit der letzten WM haben Klubs wie Barcelona, Juventus und Manchester City in ihre tiefen Taschen gegriffen. Obwohl es noch immer winzige Summen im Vergleich zu den Männer-Teams sind, haben ein paar Millionen Dollar gereicht, um den Standard im europäischen Fußball drastisch zu heben", schrieb das Blatt.

Hype wie bei Männer-Turnier

Und vielleicht endet die US-Ära schon am Freitag, wenn es im Parc des Prince (21 Uhr/ORF-Sport+) zum vorgezogenen Endspiel kommt. Der Viertelfinal-Schlager scheint hinsichtlich Kartennachfrage zudem in Männer-Sphären vorzustoßen, da sich die Preise für Matchkarten wie nie zuvor emporschraubten. Auf der Plattform StubHub.com werden für die billigste Karte 479 Euro fällig, um in Paris live dabei zu sein. Ein Anbieter verlangt gar 10.000 Euro für eine Karte in einem nicht genauer spezifizierten Sektor - ob sie auch gezahlt werden, ist freilich ungewiss.

Gewiss ist, dass die Französinnen (so wie andere Gegner auch) die Ehrfurcht vor den US-Girls abgelegt haben: "Sie verneigen sich nicht mehr vor den USA wie früher. Viele Teams haben gezeigt, dass sie die USA schlagen können", meint US-Torfraulegende Hope Solo.