Lyon. (rel) Während am Dienstagabend im Halbfinale der Frauen-WM mit England-USA die alte gegen die neue Welt spielte (nach Redaktionsschluss), kommt es im zweiten Spiel am Mittwoch in Lyon (21 Uhr) zum Showdown zwischen zwei Teams, die man ebenso auf der Rechnung haben musste. Nicht nur hat Schweden schon 2003 ein WM-Finale erreicht, zudem sind die Niederlande amtierende Europameister. Um aber bei Großereignissen weit zu kommen, ist nicht nur die Statistik - in der Weltrangliste belegen Schweden und Niederlande aktuell die Plätze acht und neun - wichtig, sondern auch das Glück der Tüchtigen. Und dafür war und ist insbesondere das blau-gelbe Team ein gutes Beispiel.

Die Emotionen am besten auf den Punkt gebracht hat am Dienstag Schwedens Abwehrchefin Nilla Fischer. "Als wir hierhergekommen sind, haben wir von Gold geträumt. Jetzt müssen wir alles geben, um es ins Finale zu schaffen", sagte sie, die Sensation vorwegnehmend. Die Basis dafür hatte man mit dem triumphalen 2:1 gegen Deutschland - dem ersten Sieg über die DFB-Auswahl bei einem großen Turnier nach 24 Jahren - gelegt. Es war dies die späte Retourkutsche für die Niederlage im WM-Finale von 2003, als die Schwedinnen in Carson (USA) Deutschland 1:2 durch ein Golden Goal in der Verlängerung unterlagen. Psychologisch motivierend wirkt auch die Tatsache, dass die Skandinavierinnen - genauso wie die Oranje-Löwinnen - mit dem Halbfinaleinzug bereits das Olympia-Ticket für Tokio in der Tasche haben. 2016 hatte man in Rio die Silbermedaille gewonnen.

Die Damlandslaget, wie Schwedens Nationalteam in der Landessprache genannt wird, darf auf eine lange Historie (auch an Erfolgen) zurückblicken. 1974 gegründet - die österreichische Frauen-Nationalmannschaft besteht erst seit 1991 -, nahmen die Schwedinnen an insgesamt 15 Endrunden bei Welt- und Europameisterschaften teil und sorgten gleich bei der ersten EM-Teilnahme 1984 für Furore, indem sie sich im Finale gegen England im Elfmeterschießen (nach zwei Finalspielen ohne Entscheidung) mit 4:3 durchsetzten. Seitdem hat Schweden in Europa kaum an Stärke eingebüßt, bei allen Europameisterschaften stets das Viertelfinale sowie jeweils drei Mal das Halb- und das Finale erreicht. Bei Weltmeisterschaften stehen wiederum neben dem Vize-Titel jeweils zwei dritte Plätze sowie Viertelfinalteilnahmen zu Buche.

Ob der Traum vom Finale nach 16 Jahren wieder in Erfüllung gehen wird, steht allerdings noch in den Sternen. Zumal Trainer Peter Gerhardsson für das Halbfinale einen schmerzhaften Ausfall verkraften muss. Angreiferin Fridolina Rolfö sah gegen die DFB-Elf ihre zweite gelbe Karte und ist gesperrt. Mit Rechtsaußen Sofia Jakobsson und Mittelstürmerin Stina Blackstenius bildet die 25-Jährige aus Kungsbacka eine dichte Angriffsreihe, die durch Schnelligkeit und Power besticht. Nun ist das gefährliche Trio im Halbfinale auseinandergerissen.

Die wirkliche Herausforderung wartet aber auf der gegnerischen Spielhälfte. Dem Triumph bei der Heim-EM 2017 will das niederländische Team von Trainern Sarina Wiegmann nun den nächsten großen Coup folgen lassen. "Wir wollen Geschichte schreiben", betonte Lieke Martens vom FC Barcelona. Diesen Satz werden auch die Schwedinnen unterschreiben.