Lyon/Washington. Da stand Megan Rapinoe nun und hatte gar nicht genügend Hände für all die Trophäen: Weltmeister-Pokal, goldener Ball für die beste Spielerin, goldener Schuh für die beste Torschützin. The Winner takes it all. Und dass Rapinoe ein Gewinner-Typ ist, hat sie bei diesem WM-Triumph der US-Frauen, zu dem sie sechs Tore beigesteuert hatte - ebenso viele wie ihre Landsfrau Alex Morgan sowie die Engländerin Ellen White, aber erzielt bei weniger Einsatzminuten -, hinlänglich bewiesen. "Es ist unglaublich. Alle haben soviel für den Erfolg dieser Gruppe geleistet, wir haben alles reingelegt. Es ist einfach surreal", sagte die seit vergangenen Freitag 34-jährige Angreiferin nach dem 2:0-Finalerfolg über die Niederlande, mit dem die USA bei der achten Fußball-WM der Frauen ihren vierten Titel geholt hatten.

Doch für Rapinoe geriet die WM nicht nur in Sachen Trophäen zum Triumph. Schon davor hatte sie sich zur Anführerin jener Gruppe gemacht, die den eigenen Verband wegen ungleicher Bezahlung geklagt hatte, auch der Weltfußballverband Fifa wurde während des Turniers nicht mit Kritik verschont. Abgesehen von der Ungleichbehandlung in Sachen Prämien - für den WM-Titel gab es vier Millionen Dollar, was exakt der Hälfte dessen entspricht, das ein Männerteam bei der WM im Vorjahr in Russland für ein Ausscheiden in der Gruppenphase kassiert hatte - machte sie kein Geheimnis daraus, dass sie es als "Ungeheuerlichkeit" empfand, dass die Fifa das Finale am selben Tag angesetzt hatte, an dem die Männer bei der Copa América sowie beim Gold Cup des Nord- und Mittelamerika-Verbandes um den Titel ritterten. In den USA freilich gehörten die Schlagzeilen an diesem Tag den US-Frauen - zumal ihre Landsmänner sich im Gold-Cup-Finale Mexiko mit 0:1 geschlagen geben mussten. Und bei Weltmeisterschaften sind die Männer ohnehin lange noch nicht so weit wie Rapinoe und Co.

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Gleichbehandlung ist aller Bier

Dass sich dies nicht in der Bezahlung widerspiegelt, wird die Nation noch länger beschäftigen. Die Erfolge der Frauen haben Rapinoe und ihren Kolleginnen Argumente genug geliefert, auch sie selbst wollte nicht mehr viel dazu sagen. "Ich denke, wir sind durch mit der Frage, ob wir es wert sind, dass wir dasselbe bekommen sollten", sagte die Kapitänin. "Jetzt geht es darum, die nächsten Schritte zu setzen."

Zumindest was die heimische Liga betrifft, wurden während des Turniers schon zwei wesentliche Schritte unternommen, ein neuer überregionaler TV-Vertrag mit dem Sportsender ESPN sowie der neue Liga-Hauptsponsor Budweiser präsentiert. Fairere Bezahlung ist aller Bier, könnte ein Motto lauten; der Getränkehersteller wählte allerdings einen anderen Weg. Am Tag des Finales schaltete Budweiser eine ganzseitige Annonce in der "New York Times" mit der Botschaft: "Die Welt wird sie heute spielen sehen. Aber wer wird ihnen morgen zuschauen? Wir werden nicht aufhören, hinzusehen."