Kann das wahr sein? Arnautovic kassiert in China 1 Million Euro - pro Monat. - © apa/expa/Groder
Kann das wahr sein? Arnautovic kassiert in China 1 Million Euro - pro Monat. - © apa/expa/Groder

Wien. Marek Hamsik, Marouane Fellaini, Sandro Wagner, Stephan El Shaarawy, Mousa Dembélé und nun auch Marko Arnautovic: Mit dem am Montag endgültig fixierten Transfer von West Ham United zum chinesischen Meister Shanghai SIPG befindet sich der 30-jährige ÖFB-Teamstürmer in illustrier Gesellschaft - denn etliche europäische Top-Kicker im besten Fußballeralter sind heuer schon dem Ruf des Geldes Richtung Osten gefolgt und in die Super League gewechselt. Und der Top-Transfer des Sommers steht womöglich noch bevor: Reals berühmt-berüchtigter Abwehrrecke Sergio Ramos könnte für eine dreistellige Millionensumme ins Land des Lächelns wechseln.

Zum Lachen hat künftig auch Arnautovic etwas - vor allem, wenn er auf seinen Lohnzettel blickt. In der chinesischen Metropole soll der Floridsdorfer kolportierte 223.000 Euro pro Woche - also eine gute Million pro Monat - kassieren. Da kann er wohl auch verschmerzen, dass das im Jänner begonnene Transfertheater, das ihn bei den Hammers-Fans in Ungnade fallen ließ, seinen Marktwert ordentlich drückte. Trotz eines neuen, bis 2023 verlängerten Vertrages bei den Londonern gab es Arnautovic nun wesentlich billiger - statt knapp 44 Millionen Euro Ablöse sollen es jetzt nur noch 25 Millionen gewesen sein. Das ist sogar weniger, als West Ham 2017 an Stoke City überwiesen hatte (28 Millionen).

Für Arnautovic endet damit ein Jahrzehnt in Europas Topligen: Von Twente Enschede ging der Wiener einst in jungen Jahren zu Inter Mailand, es folgte die Station Werder Bremen, ehe er erst auf der britischen Insel sein Potenzial entfalten konnte. Bei Stoke spielte sich Arnautovic wieder ins Rampenlicht und avancierte auch im Nationalteam zum Leistungsträger. Trotz seines China-Engagements will Teamchef Franco Foda weiter auf den Routinier setzen. "Marko ist ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, daran wird sich nichts ändern. Wir alle kennen seine Qualitäten. Er hat genug Erfahrung, um die für sich richtigen Entscheidungen zu treffen."

Was erwartet nun Arnautovic in der 26-Millionen-Metropole sowie in der Liga des einmaligen WM-Teilnehmers (2002)? Zunächst trifft er beim aktuellen Tabellendritten (nach 16 Runden) auf prominente Partner in der Offensivabteilung, denn mit Oscar (27) und Hulk (32) stehen bei SIPG zwei ehemalige brasilianische Teamspieler unter Vertrag. Trainiert wird der Klub vom Portugiesen Vítor Pereira (ehemals Porto, Fenerbahçe). Namenspatron ist - wie in China üblich - mit dem Hafenbetreiber Shanghai International Port Group ein potenter Konzern.

Dank dieser Finanzkraft konnten in den vergangenen Jahren zugkräftige Spieler und Trainer angelockt werden, die auch die Fans in die Stadien trieben - im Fünfjahresvergleich (2013-2018) waren es im Schnitt 22.594 Zuschauer pro Match. Damit liegt China international auf Platz sechs hinter Deutschland, England, Spanien, Mexiko und Italien. (Österreich: 6581 Zuseher.)

Chinas Ziel ist der WM-Titel

Doch es ist längst nicht alles Gold, was im Reich der Mitte nun angeblich so glänzt: Denn nach anfänglichen Korruptions- und Wettskandalen sowie einem Transferrekord, der sogar die Premier League in den Schatten stellte, backen die Chinesen seit mehr als einem Jahr wieder kleinere Brötchen. "China ist auf die Bremse getreten, und bisher hat es noch kaum einer gemerkt", meinte Trainerlegende Arsène Wenger schon vor einiger Zeit an. Nach utopischen Summen für einzelne Spieler samt ausbleibendem Erfolg für Chinas Fußball war es nämlich der Staat, der mit Strafabgaben und anderen Regeln diese Bremse betätigte und den überhitzten Markt damit abkühlte.

Schließlich steht in Chinas Fußball nicht eine prominent besetzte Liga oder der asiatische Champions-League-Titel (Guangzhou Evergrande schaffte ihn 2013 und 2015) als oberstes Ziel, sondern eine erfolgreiche Nationalmannschaft. So hat kein Geringerer als Staatspräsident Xi Jinping bereits vor drei Jahren vorgegeben, dass China bis 2030 zu den Top-Nationen gehören möge und spätestens 2050 Weltmeister zu sein hat. Der Weg dorthin ist noch lang - Arnautovic und Co. dürfen sich als teuer bezahlte Entwicklungshelfer verstehen.