Wien. Der Gast ist König, doch manchmal werden auch des Königs Kleider nass, man kann sich schließlich nicht um alles kümmern. "Lediglich das Wetter mit 18 Grad und Regen hat noch ein wenig Verbesserungspotenzial", ließ also der deutsche Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Union Berlin seine Fans und Follower auf den Sozialen Medien am Montag nach der Ankunft beim Trainingslager im oberösterreichischen Windischgarsten wissen.

Zur Wiedergutmachung gab es aber Lob für die Trainings- und sonstigen Rahmenbedingungen, nebst netten Bildern und Videos vom Seilgarten, vom Trainingsplatz und der Ruhe und Idylle verheißenden Kulisse. Vogelgezwitscher inklusive. Auf dem Account des FC Southampton wiederum waren die Kicker des österreichischen Coaches Ralph Hasenhüttl im Youtube-Videotagebuch "The Saints in Austria" zu sehen, wie sie in Schruns in Vorarlberg auf den Fahrrädern sitzen und danach eine erste Balleinheit absolvieren.

Es sind Bilder und Videos, die die österreichischen Veranstalter internationaler Trainingslager dafür entschädigen, dass die ganz großen Namen im globalen Fußball heuer ihre Zelte zur Saisonvorbereitung weitgehend woanders aufschlagen.

China, Golfstaaten und USA liegen im Trend

Waren die Spitzenteams bis hin zu Real Madrid bis vor wenigen Jahren noch Stammgäste in Österreich, so zieht es die meisten absoluten Spitzenklubs nun eher dorthin, wo großes Geld zu verdienen ist, lange brach liegende Märkte beackert werden und Sponsoren- wie Partnerinteressen bedient werden wollen. China, die USA und die Golfstaaten - der Trend zu Fernreisen hält, Strapazen hin oder her, auch in diesem Sommer an.

Dennoch schaffen es die Veranstalter in Österreich, Marktführer SLFC (Salzburger Land Fußball Camps) oder IFCS (International Football Camps Styria), jedes Jahr aufs Neue, eine erkleckliche Anzahl an Klubs zu locken, die ihre Vorbereitung zwischen Boden- und Neusiedlersee absolvieren. Die SLFC verzeichnete im Vorjahr 80 von ihr betreute Profi-Mannschaften sowie 19 Nationalteams aus 28 Ländern, mit denen mehr als 42.000 Nächtigungen generiert wurden. IFCS wiederum berichtet von 30 Trainingscamps, 10.800 Nächtigungen und mehr als 42 Millionen Fans, die man über die Social-Media-Kanäle der Klubs erreicht habe.

Auch wenn diese Zahl möglicherweise durch die Überschneidungen auf Twitter, Instagram, Facebook und Co. nicht ganz für bare Münze genommen werden kann, so wird doch auch Social Media ein immer bedeutenderer Faktor für die österreichischen Veranstalter. Für diese Art der Werbung muss jedenfalls kein zusätzliches Geld ausgegeben werden, die Klubs beziehungsweise deren Social-Media-Betreuer sorgen schon selbst dafür, dass die Bilder viral gehen.

Identifikationsfaktor für Fans, Testspiele für Klubs

Und es sind - auch wenn die großen Namen aus England, Spanien oder Italien diesmal fehlen - zu einem großen Teil Vereine, die auch in Österreich einen hohen Identifikationsfaktor haben, weswegen die Trainingslager und Testspiele während der Sommerferien auch Tagesbesucher aus Österreich anziehen. Besonders stark vertreten ist etwa Deutschland, woher gleich 13 Klubs mit zahlreichen österreichischen Legionären sowie Eintracht und Wolfsburg auch mit den rot-weiß-roten Trainerexporten Adi Hütter beziehungsweise Oliver Glasner zu Gast sind.

Abgesehen von den deutschen Klubs sowie russischen Vertretern, die hier ein Mini-Turnier um immerhin 100.000 Dollar, übertragen vom russischen Fernsehen, absolviert haben, kommen die prominentesten Vertreter diesmal mit Champions-League-Halbfinalist Ajax Amsterdam beziehungsweise Europa-League-Sieger Chelsea aus den Niederlanden und England.

Die Blues sind im Rahmen ihres Kurz-Trips Ende Juli/Anfang August gleichzeitig Testspielgegner von Österreichs Meister Salzburg am 31. Juli. Wie das Ergebnis auch lauten wird, eines steht schon jetzt fest: Die Bilder davon werden viral gehen. Das sollte jetzt nur noch jemand dem Wetter sagen.