Kairo. Der mit dem Finale Algerien gegen Senegal am Freitag zu Ende gehende 32. Afrika-Cup droht zum PR-Fiasko für Gastgeber Ägypten zu werden. Nach dem der siebenfache Afrika-Cup-Sieger bereits im Achtelfinale gegen biedere Südafrikaner ausgeschieden ist, offenbart sich das unheilvolle Verhältnis zwischen Sport, Politik und Gewalt, das den ägyptischen Fußball seit der Revolution des Jahres 2011 prägt. Und dabei hat alles so gut für den Gastgeber Ägypten begonnen.

Beim Eröffnungsspiel der "Pharaonen" war das Cairo International Stadium erstmals seit 2015 wieder ausverkauft. 70.000 frenetische Fans feierten den 1:0-Sieg gegen Simbabwe. Nach dem Spiel sprach Machthaber Abdel Fattah al-Sisi im Fernseh-Interview von einem "sehr guten Start für uns". Ägypten, das erst im Dezember statt Kamerun als Ausrichter des prestigeträchtigen Turniers bestimmt wurde, will nach außen demonstrieren, dass man ein sicheres und stabiles Tourismusland ist.

Nach innen soll das Großevent einen Weg aus der tiefgreifenden Krise des heimischen Fußballs öffnen. Seit der Revolution im Jahr 2011 sind - mit Unterbrechungen - faktisch keine organisierten Fans mehr in den Stadien zugelassen, und der Ligabetrieb kommt immer wieder zum Stillstand.

Stürmer Amr Warda (r.) durfte trotz der Vorwürfe der sexuellen Belästigung beim Afrika-Cup antreten. - © afp/Khaled Desouki
Stürmer Amr Warda (r.) durfte trotz der Vorwürfe der sexuellen Belästigung beim Afrika-Cup antreten. - © afp/Khaled Desouki

"Dieser Afrika-Cup ist eine Chance für die Fans, wieder an den Spielen der ägyptischen Liga und des Cups teilzunehmen", sagt der frühere General al-Sisi in die Kamera des Senders ON Sports, "die Fans sollten ins Stadion kommen, jubeln und die Spiele genießen." Doch nicht alle Fans scheinen die präsidiale Vision zu teilen.

Obwohl politische Äußerungen im Stadion streng verboten sind, erinnerten ägyptische Fans symbolisch an die Opfer in ihren Reihen. Beim Spiel gegen Südafrika schalteten hunderte Fans in der der 20. und in der 74. Minute die Taschenlampen ihrer Handys ein. Damit wurde symbolisch an die 20 Zamalek-Fans, die 2015 durch Tränengas und Schüsse der Polizei in den Tod getrieben worden waren, und an die 74 Al-Ahly- Fans, die im Stadion von Port Said ums Leben kamen, gedacht. Obwohl erbitterte Rivalen, sind die Fans der Kairoer Traditionsvereine Al-Ahly und Zamalek beim Gedenken an ihre "Märtyrer" hier vereint. Gerade die Tragödie von Port Said scheint wie ein unbewältigtes Trauma.

Unterdrückungen wegen Protesten?

Mustafa Abdullah ist Anhänger von Al-Ahly und betreibt die populäre Facebookseite "Ultras Ahlawy - Never forget 74". "Wir haben diese Seite zum Gedenken an die Märtyrer gemacht", sagt der Fanaktivist. Aus Angst vor Repression will er sich nicht persönlich treffen. "Die Regierung hat die führenden Mitglieder der Ultras Ahlawy verhaftet, sie haben die Gruppe gewaltsam aufgelöst".